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Wissenschaft:Für die freie Lehre

Münchner TU kooperiert mit Budapester Universität - das ist auch ein politisches Signal

Diese Kooperation ist ein politisches Zeichen: Am Dienstag haben die Technische Universität (TU) München und die Central European University (CEU) in Budapest eine Vereinbarung geschlossen, die über Forschung und Lehre weit hinaus geht. In Ungarn steht die CEU seit einiger Zeit stark unter Druck durch die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán.

Gegründet wurde die CEU 1991 neben anderen von George Soros. Die Stiftung "Open Society Foundation" des US-amerikanischen Milliardärs finanziert sie weitestgehend. Wer dort studiert, beendet sein Studium mit einem amerikanischen Abschluss. Vor etwa zwei Jahren wurde in Ungarn ein neues Gesetz erlassen, die Lex CEU. Sie schreibt vor, dass ausländische Universitäten nur dann eine Berechtigung haben und Abschlüsse gewähren können, wenn sie auch in ihrem Ursprungsland ansässig sind. Die CEU aber gibt es nur in Budapest.

"Ich finde, dass die Universität nicht so behandelt werden kann", sagt TU-Präsident Wolfgang Herrmann. Er war mit einer Delegation nach Budapest gereist, um die Kooperationsvereinbarung zu unterzeichnen - eine Idee von Manfred Weber, dem Spitzenkandidaten der CSU für die Europawahl. Ziel ist ein Eintreten für freie Lehre, für Europa und gegen EU-feindliche Politik, wie sie der ungarische Ministerpräsident Orbán verfolgt.

Spätestens zu Beginn des Sommersemesters 2020 möchte Herrmann drei Professoren aus den Bereichen Politik, Technologie und Gesellschaft in Budapest installiert wissen. Er selbst wird dann nicht mehr Präsident sein, er übergibt die Leitung im Oktober an Thomas Hofmann. Das Schicksal der CEU wird ihn aber weiter beschäftigen.

Der amerikanische Abschluss soll auf jeden Fall auch weiterhin möglich sein, lautet die zentrale Bedingung der TU für die Partnerschaft. Herrmann beschreibt die CEU als "kleine, aber feine Universität mit internationalem Publikum im amerikanischen Stil". Von dem Austausch der Lehrmethoden sollen letztlich auch die TU und ihre Studenten profitieren.

Nach Erlass der Lex CEU war bereits umfangreich von Umzugsplänen nach Wien gesprochen worden. Ab 2023 soll demnach in den Räumen des Otto-Wagner-Spitals gelehrt und geforscht werden. Herrmann aber ist sich so gut wie sicher, dass die Zukunft der Zusammenarbeit in Budapest stattfinden wird. Von der Metropole gehe eine Strahlkraft aus, die auf das restliche Osteuropa wirke, sagt er. Das wisse auch die ungarische Regierung, deshalb "ist sie aufgerufen, die CEU mit den rechtlichen Garantien auszustatten."

Herrmanns Eindruck von seiner Reise in dieser Woche: Die CEU und ihr Präsident Michael Ignatieff möchten in Budapest bleiben. Sie wollten sich letztlich von den "sagenhaften Liegenschaften" dort, nicht trennen. Die seien schließlich für sehr viel Geld errichtet worden.

Zwei der TU-Professuren sollen vom Freistaat Bayern finanziert werden. Eine will BMW übernehmen. Die Zusagen dafür sind gemacht. Laut Herrmann heiße es nun, die richtigen, hochkarätigen Personen dafür zu finden. Die konkrete Ausrichtung der Professuren sei noch offen. Gewünscht aber ist ausdrücklich der Fokus auf gesellschaftspolitische Bereiche. "Die Technik isoliert kommt in dieser Zeit nicht weiter, darauf muss eine Uni reagieren", so Herrmann. Man müsse die Resonanz auf die Gesellschaft und umgekehrt betrachten.