Well-Geschwister in den Münchner Kammerspielen:Läster-Attacke gegen die CSU

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Natürlich kommt auch der Well-Auftritt in den Kammerspielen nicht ohne die durch die Biermösl Blosn Kult gewordenen Spott-Attacken auf die CSU aus. An diesem Abend ist es der Song "Im Darm", der Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer gewidmet ist, und Neu-Finanzminister Markus Söder zum "fränkischen Abszess" sowie Verkehrsminister Peter Ramsauer zum "Zeck" macht.

'Beinander bleiben' auf der Buehne

Fast drei Stunden dauert das Programm in den Münchner Kammerspielen.

(Foto: dapd)

Der ehemalige Wissenschaftsminister Thomas Goppel, so erzählen die Wells, sei an sie mit der Bitte herangetreten, doch endlich mal etwas Nettes über die CSU zu singen. Das hat er jetzt davon.

Kurz vor der Pause schließlich lassen die Geschwister in einem Lied die bayerische Geschichte Revue passieren. Während über die Leinwand Familienbilder der Wells aus den vergangenen Jahrzehnten ziehen, schleudern die Musiker Stichwort für Stichwort wie aus einer Pistole ab: Uschi Glas, Nicki, Sedlmayr, Laptop, Lederhose, Gammelfleisch, Problembär, Trappatoni, Mixa, Guttenberg - das Publikum tobt vor Freude.

Dabei sind das noch nicht die besten Momente des Programms, das - mit Pause - fast drei Stunden lang dauert. Beeindruckend ist vor allem das musikalische Können der Geschwister. Wie sie problemlos von einem zum anderen Instrument wechseln, die Ukulele weglegen und dafür die Klarinette ansetzen, Blockflöte spielen und Tuba, Dudelsack und Banjo, Harfe und Saxophon und dazu auch noch singen, das macht den Wells so schnell niemand nach.

Es mischen sich Beethoven und Queen im Alphorn-Medley, da werden anspruchsvolle Trompeten-Soli dargeboten, wie man sie sonst auch bei den Philharmonikern im Gasteig hört (was auch nicht wundert, schließlich wurde Christoph Well seinerzeit von Generalmusikdirektor Sergiu Celibidache als Solotrompeter zu den Münchner Philharmonikern geholt).

Und weiter geht es: Stubenmusik mit Nonnengeige und Brummtopf. Yellow Submarine. Carmen von Georges Bizet. Mendelssohn. Angus Young. Highway to Well! Das alles wirkt einfach, spielerisch leicht geradezu, als wäre der Auftritt in den Kammerspielen keine Premiere sondern ein Abschlusskonzert.

Natürlich wird auch gestritten, das gehört sich schließlich so für eine ordentliche Großfamilie. Wie ein roter Faden zieht sich die Frage durch das Programm, wer wem damals den Schürhaken ins Gesicht gehauen hat. Am Ende eskaliert der Streit - musikalisch. Das Sextett trötet und hupt wild durcheinander - um sich dann beim Abschlusslied "Fein sein, beinander sein" wieder als verschworene Familien-Clique zu präsentieren.

Und so ist der Liederabend der Well-Geschwister auch eines: eine Ode an die Familie, deren Bande so eng sind, dass sie nichts zerreißt. Kein Schürhaken, kein vergeigter Einsatz - und auch nicht das Ende der Biermösl Blosn.

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