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Weitere Briefe:Sturzfluten und ein US-Deserteur ohne Asyl

Mais und Sturzflut

Herrlich, sich hinter dem Klimawandel zu verstecken, der sicher in Simbach, Karpfham mit verantwortlich ist, aber einen großen Anteil an den verheerenden Auswirkungen dort haben die massiven Eingriffe in die Natur, gerade im Rottal ("Wir werden ersaufen am Wasser", 23. November). Nirgends in Deutschland gibt es einen so hohen prozentualen Anteil an Flächenverbrauch für Maisanbau, wie in dieser Region. Maisfelder nehmen so gut wie kein Wasser auf, mit der Folge, dass sich innerhalb von Minuten bei Starkregen Sturzfluten bilden, die sich dann irgendwo mit fatalen Folgen sammlen, wie in Simbach und Karpfham geschehen. Aber bayerische Landwirte sind ja sakrosankt, egal ob es bei der Verwendung von Pestiziden, Nitratverseuchung oder eben beim exzessiven Flächenverbrauch für den Maisanbau ist. Es kann nur gehofft werden, dass hier endlich ein Umdenken kommt. Dr. Gerhard Hagen, Neuburg am Inn

Nicht alle durch den Tunnel

Prinzipiell ist es natürlich richtig, dass eine wachsende Stadt auch einen Ausbau seiner Verkehrssysteme benötigt. Die Frage ist nur, was ausgebaut werden muss und wo. Hier liefert der Beitrag keine Antworten, dafür viel Irritation um Zahlen. 800 000 Fahrgäste im S-Bahn-Tunnel täglich ("Auf neuen Wegen", 16. November)? - Das gilt in etwa für das gesamte S-Bahn-Netz. Hier wurden fälschlicherweise aber die Fahrgäste, die nicht im Zentrum unterwegs sind, mitgezählt (Anm. d. Red.: Da hat der Leser recht - die Zahl der täglichen Passagiere im Stammstreckentunnel sind ein gut gehütetes Bahn-Geheimnis). Auch was den Mix zwischen motorisiert und nicht motorisiert zurückgelegten Wegen betrifft, ist die Darstellung sehr fehlerhaft. Nur 8 Prozent der Wege, die innerhalb des Altstadtrings beginnen, sollen die Münchner zu Fuß zurücklegen. Das stimmt so nicht. Die zitierte Quelle MiD 2008 (Erhebung "Mobilität in Deutschland) nennt 30 Prozent. Derartige Unterschiede gibt es auch bei anderen Positionen. Vermutlich liegen Verwechslungen bei Daten vor.

Schade, denn dadurch kommt die wirkliche Verkehrssituation in München nicht rüber: Wir haben innerhalb des Altstadtrings einen Motorisierungsanteil von gerade mal 9 Prozent. Alle anderen Wege werden mit Bus, Bahn, Fahrrad oder zu Fuß zurückgelegt. Und das ist das Phänomen: Weil hier wenig Platz für Straßen und Parkplätze vorhanden ist und der öffentliche Verkehr super ausgebaut ist, dominiert die umweltfreundliche Fortbewegung so stark, dass dieser Anteil kaum noch steigerungsfähig ist. Die Notwendigkeit des Ausbaus der öffentlichen Verkehrsmittel beispielsweise ergäbe sich eher an der Peripherie, wo noch viel Potenzial für eine Verkehrsverlagerung besteht. Und: Weil dort tatsächlich auch in Größenordnung neue Arbeitsplätze entstehen, die für Mehrverkehr sorgen. Das ist in der Altstadt eben nicht der Fall. Wolfram Liebscher, München

Inkonsequent

Es ist beschämend, wenn ein Soldat, der sich bemüht, das Völkerrecht zu achten, sich einem Asylverfahren unterziehen muss, um nicht verhaftet zu werden ("Kein Asyl für US-Deserteur", 18. November). Und noch beschämender, dass dieses juristische Hintertürchen dann zugeschlagen wird, ohne die Dinge beim Namen zu nennen. Wenn der Krieg der US-Armee gegen den Irak völkerrechtswidrig war, war es ohne Wenn und Aber die Pflicht jedes US-Soldaten, sich diesem Krieg zu verweigern. Und wenn einem Soldaten eine Strafe dafür droht, dass er sich dieser Pflicht gestellt hat, dann ist er vor dieser Strafe zu schützen. Sonst bleibt das Recht, das Menschen vor willkürlichen kriegerischen Handlungen bewahren soll, zahn- und wehrlos gegenüber dem Machthunger militärisch starker Staaten. André Shepherd gebühren ein roter Teppich und ein Verdienstorden. Johanna Pfeffer, München

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© SZ vom 24.11.2016
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