Weitere Briefe Starker Minister, schwache Bauherren

Leserbriefe

stellen keine redaktionelle Meinungsäußerung dar, dürfen gekürzt und digital veröffentlicht werden unter Angabe von Name und Wohnort. Kontakt per E-Mail unter forum-region@sueddeutsche.de, postalisch unter: Süddeutsche Zeitung, Leserforum Region, Hultschiner Straße 8, 81677 München.

Piazolo rechnet richtig

Respekt, Herr Piazolo! Dass der Kultusminister sich nicht dazu hat hinreißen lassen, in die Bewertung des Mathe-Abiturs einzugreifen, nötigt mir Respekt ab ("Ausgerechnet" vom 17. Mai). Wenn man das bayerische Abitur nicht noch weiter entwerten will, muss man der Versuchung widerstehen, die Anforderungen so zu nivellieren, dass von der Verleihung der "Allgemeinen Hochschulreife" keine Rede mehr sein kann. Die von den Hochschulen durchweg beklagte mangelnde Studierfähigkeit eines nicht unwesentlichen Anteils der Studentinnen und Studenten ist nicht zuletzt auf eine bereits erfolgte Absenkung des Niveaus des Unterrichts und der Prüfungsanforderungen an unseren Gymnasien zurückzuführen. Sepp Kufner, Ismaning

Schwacher Gasteig-Bauherr

,Der kluge Kommentar von Gerhard Matzig ("Ein verständlicher Rückzug", 3. Mai) ist höchstens zu ergänzen. Es gibt drei Verantwortungen, die ein Bauherr nie delegieren kann, egal was er bauen will. Zum einen zu definieren, was er will und was er dafür ausgeben kann. Dann zu entscheiden, denn während eines Planungs - und Bauprozesses fallen ständig Entscheidungen an. Und zu zahlen, also die für die Planung und den Bau nötigen Finanzen zu sichern. Alles andere kann delegiert werden.

Die beim Gasteig aktuelle Frage des Urheberrechts ist ohne Zweifel eine, die ein Bauherr im Vorfeld sehr klar klären muss. Er kann sich dazu geeigneter Fachleute, wie Juristen, Architekten und Verbände bedienen, aber entscheiden, wie mit dem Urheberrecht umgegangen wird, das kann alleine der Bauherr. Wenn er es, wie im vorliegenden Fall, nicht tut, gerät das Projekt von Anfang an auf die schiefe Bahn. Matzig weist völlig zu Recht auf die Termine und dann auf die Kosten hin. Wie wird denn der Bauherr die unvermeidlichen Terminverzüge und die ebenso unvermeidlichen Kostensteigerungen der Öffentlichkeit erklären? Wahrscheinlich durch scheinbar objektive Gegebenheiten (siehe die Dübel beim Berliner Flughafen BER), nie jedoch mit den eigenen Versäumnissen. Wenn in München bei der Gasteig GmbH nichts Entscheidendes und vor allem Strukturelles passiert, werden die Münchner im besten Fall lange auf den sanierten Gasteig warten müssen und der Kämmerer kann heute schon dafür sparen. Im schlechteren Fall wird es eine unendliche Geschichte nach dem Motto, was die in Berlin mit dem BER können, schaffen wir in München mit dem Gasteig allemal. Florian Fischer, München

Wo bleibt die Baukultur?

Vielen Dank für die ausführliche Berichterstattung zu den Planungen für die Alte Akademie ("Grünes Licht für den Umbau der Akademie", 1. Mai). Der Ausgang der Diskussion dokumentiert, wie schlecht die Belange der Baukultur in der aktuellen politischen Szene Münchens vertreten werden.

Besonders ärgerlich ist dabei die Sturheit, mit der die zahlreichen qualifizierten und mit Nachdruck vorgebrachten Stimmen vom Tisch gewischt wurden. Man fragt sich, welche wirklich stichhaltigen Argumente hier überzeugt haben könnten. Ulrich Pfannschmidt, München

Der Agrochemie willfährig

Die Art, in der Herr Siebenhaar argumentiert ("Baum fällt", 15. Mai, über gerodete Streuobstwiesen), lässt befürchten, dass er von Landwirtschaft nicht mehr weiß als das, was in den Verkaufsbroschüren der Agrochemie steht. Wenn er sagt, das Bäume, die "fünf Jahre nicht mehr bewirtschaftet" werden, kaputt seien, dann sei ihm ein Spaziergang durch seine nähere Wohnumgebung empfohlen. Er wird Obstbäume finden, von der Birne bis zur Walnuss, die seit 30 und sogar seit 70 Jahren nicht mehr "bewirtschaftet" sind. Sie leben, sie sind vital und tragen Früchte. Wenn sich Un-Bauern wie er auf Tradition berufen und damit meinen, dass sie das Recht hätten, unsere Atemluft und unser Trinkwasser zu vergiften durch das, was sie "Pflanzenschutz" nennen, dann sei hier an etwas ältere Traditionen erinnert: Noch vor zirka 250 Jahren stand bei uns auf Brunnenvergiftung die Todesstrafe. Gut, dass diese Zeiten vorbei sind, aber der Gesetzgeber steht hier in der Pflicht, den Bürger vor krankmachendem Pflanzenschutz zu bewahren. Lebensmittel müssten viel intensiver auf Pflanzenschutzmittel kontrolliert werden, um den Verbraucher zu schützen. Raimund Raab, Freising