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Weitere Briefe:Mutwillig radikalisiert und unsäglich herumgeeiert

Mutwillig radikalisiert

Als aktiv Beteiligter der Studentenbewegung in München 1968 (unter anderem Pressereferent im Nachfolge-ASTA Pohle, Fakultätssprecher, Gründer des Fachschaftenrats) empfinde ich die Äußerungen Theo Waigels zum Berufsverbotsurteil von Rolf Pohle als zynisch, entlarvend und wenig altersweise ("Die Zeit damals war wie ein Stahlbad", 20. März, und Leserbrief "Rechthabereien ohne Selbstzweifel" vom 23. März). Wie kann ein Jurist das Urteil (15 Monate Gefängnis ohne Bewährung wegen eines Demonstrationsvergehens, ohne dass Gewalttaten bewiesen waren) als Präventionsmaßnahme und mit später folgenden Gewalttaten rechtfertigen? War das also "Vorbeugehaft"? Tatsache ist, und das weiß ich als damaliger naher Bekannter Rolf Pohles und politischer Mitstreiter im Liberalen Studentenbund und der Aktionsgemeinschaft Demokratische Universität, dass ihn dieses ungerechtfertigte, überharte Urteil radikalisiert und gewaltbereit gemacht hat. Theo Waigel zufolge habe es damals keine Dialogmöglichkeit mehr gegeben: Das stimmt nicht! Zur Zeit des Pohle-Urteils zeichnete sich das Ende einer "gemeinsamen" Studentenbewegung ab. Sie spaltete sich in viele Gruppen; für einige begann der "Marsch durch die Institutionen". Die große Mehrheit bekannte sich zu gewaltfreiem Handeln! Ich glaube nicht, dass Herr Waigel sich im Bereich der Studentenbewegung auskannte. Heute kann er großzügig und altväterlich "bei all dem Unfug" (darf er aus seiner Sicht die Ereignisse 68-71 eigentlich so verniedlichen, und ist dann auch noch das Urteil gegen Pohle vertretbar?) den "Radikalen" eine gute intellektuelle Präparierung zubilligen. Danke! Immerhin führte ihn die Zeit "damals wie ein Stahlbad" in eine große politische Karriere, und er darf sich mit dem martialischen Begriff "Stahlbad", auf dem weichen Sessel sitzend, auch noch als eine Art "Kriegsheld" feiern lassen. Einfache Karrieren wurden auf der anderen Seite vielen über die Berufsverbotsurteile verbaut. Dr. Günter Kopp, München

Unerträgliches Herumgeeiere

Das Herumgeeiere von Andreas Zapf (Präsident des Gesundheits-Landesamts) finde ich unerträglich ("Zapf weist Vorwürfe zurück", 2. März; "Minister verteidigen Behörden", 15. März). ,Wir haben alles gemacht' - blabla. Auch Landwirtschaftsminister Brunners 'ich weiß von garnix' ist unglaubwürdig. Schlamperei, Spezlwirtschaft, Nachlässigkeit, würde ich sagen. Bis zur bitteren Wahrheit weiterermitteln, bitte. Meine Tochter und ich hatten auch eine Salmonellenvergiftung durch solche Eier erlitten. Das ist so grässlich, das wünschte ich gern mal den Herren Unschuldslämmern, Postensitzern und Geldkassierern. Claudia Rieg-Appleson, München

© SZ vom 26.03.2018
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