Weitere Briefe (II) CSU schwebt - und hat eine Quote im Kabinett

Also doch mit Quote

Auch die CSU kann Frauenquote - sie verschweigt es nur ("Gleich und gleicher", 9./10. Februar): Der Frauenanteil der CSU-Landtagsfraktion liegt bei 21 Prozent (18 von 85 Abgeordneten sind Frauen). Im Vergleich dazu beträgt der Frauenanteil bei den CSU-Kabinettsmitgliedern 42 Prozent (fünf der 12 CSU-Staatsminister und Staatssekretäre sind Frauen). Wie kommt es zu dieser Verdopplung? Haben sich die fünf weiblichen Kabinettsmitglieder durch fachliche Qualifikation und Erfahrung "aufgedrängt" und konnte Markus Söder gar nicht anders, als sie in sein Kabinett zu berufen? Dass diese Erklärung nicht greift, zeigt ein Blick auf die Staatsministerinnen für Digitales und für Landwirtschaft. Beide Ministerinnen wiesen zum Zeitpunkt ihrer Berufung keinerlei fachliche "Vorbelastung" auf. Daraus folgt, dass der Frauenanteil von 42 Prozent bei den CSU-Kabinettsmitgliedern nicht fachlich begründet ist, sondern dass Markus Söder gezielt Frauen ins Kabinett berufen hat. Anders formuliert: Söder hat bei der Berufung der CSU-Kabinettsmitglieder eine Frauenquote angewendet. Dieser Umstand ist nicht verwerflich oder gar parteischädigend. So bekennt sich Annegret Kramp-Karrenbauer, Vorsitzende der Schwesterpartei CDU, zur Frauenquote und bezeichnet sich als Quotenfrau, der die Quote zu Beginn ihrer politischen Karriere eine Chance gegeben habe. Die CSU sollte entspannter mit dem Thema "Frauenquote" umgehen und das Praktizieren einer Quote nicht verschämt verschweigen, sondern sich offen dazu bekennen. Wie wäre es beispielsweise mit folgender Pressemitteilung aus der CSU-Parteizentrale: "Die CSU-Staatministerinnen für Digitales und für Landwirtschaft sind Quotenministerinnen - und das ist auch gut so."Roland Sommer, Diedorf

Abgehoben

Wenn der Münchner, besonders der im Norden, am Boden nicht mehr vorankommt, geht er in die Luft ("Schweben statt stehen" vom 27. Februar). Und wenn er da schon mal ist, könnte er doch auch gleich mit einer Seilbahn über stehenden Bus-Verkehr, vollgestopfte Autobahnen und dauergestaute Ringstraßen hinweg bis in die umliegenden Gemeinden gondeln? So stellt sich die SPD das jedenfalls vor. Und der Staatsregierung wäre die abgehobene Lösung auch allemal lieber, als mit einem Autobahnringschluss im Süden für Entlastung zu sorgen. Ganz automatisch in die Luft geht auch, wer an den wieder aus der Versenkung geholten Transrapid der CSU denkt. Der war schon unter Edmund Stoiber ein Running Gag. Und sorgte damals für ebenso viel Erheiterung, wie heute die Bienen-Highways von Bayerns CSU-Verkehrsminister Hans Reichhart (Minister Reichhart will Blühstreifen neben Autobahnen; d. Red.). Bevor man das Geld für eine nun langsamere Magnetschwebebahn verpulvert, sollte man es besser in die Erweiterung des S-Bahnangebots investieren. Bevor der ÖPNV kollabiert, würde es auch nicht schaden, mehr Züge und kürzere Taktzeiten anzubieten, um den Zulauf zu bewältigen. Manfred Jagoda, Ismaning