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Weitere Briefe:Geschützter Wald, verhöhnte Juden

Verhöhnendes am Dom

Die Judensau am Regensburger Dom wie auch an anderen christlichen Baudenkmälern stellt bis heute eine bösartige Schmähung von Juden dar - an diesem Umstand ändern auch die bemühten Erklärtafeln nichts, die unter den Reliefs angebracht sind ("Antijüdische Plastiken sollen bleiben" vom 9. Dezember und "Steinerne Hass-Zeugnisse" vom 21./22. November). Dass die christlichen Kirchen beider Konfessionen über Jahrhunderte eine antijüdische Haltung eingenommen haben und Judenverfolgungen und Pogrome theologisch noch befeuerten, ist allgemein bekannt - dafür bedarf es keiner derart zynischen Skulptur an einem Gotteshaus. Die Darstellung hat über die Jahrhunderte nichts von ihrem herabwürdigenden, menschenverachtenden Charakter verloren.

Man muss nur einmal die Positionen wechseln, um das zu verstehen: Würde ein arabischer Jugendlicher seinen jüdischen Schulkameraden auf einem Schulhof in Berlin als "Judensau" beschimpfen, so wäre die Empörung über "diese Muslime" und deren antisemitische Haltung groß - gerade auch in christlichen Kreisen. Es gibt eine sehr einfache Lösung, die auch dem christlich-jüdischen Dialog Glaubwürdigkeit verleihen würde: Die Judensau soll denkmalgerecht vom Dom abgenommen und in ein Lapidarium eingelagert werden. Nichts spricht dagegen - Kirchen sind keine statischen Gebilde, sie wurden zu allen Zeiten verändert, umgebaut, Figuren abgenommen, Altäre entfernt oder umgestaltet, wenn eine neue Liturgie oder neue theologische Konzepte dies erforderten. Es wäre ein Vorgang, der rückgängig gemacht werden könnte, sobald die moralische Unbedenklichkeit der Judensau festgestellt würde. Für mich als Christin ist beschämend, dass sich die Kirchenverantwortlichen nicht eindeutig von den bösartigen Judensau-Darstellungen distanzieren. Die Skulpturen beschädigen auch die Kirche Christi selbst, denn die gebaute, steinerne Kirche ist mit Paulus (1. Kor. 3,16) ein Abbild der Ecclesia, der Kirche Christi, mithin der Gemeinschaft der Gläubigen. Mit der Lehre Christi ist die Hassfigur allerdings unvereinbar. Es muss endlich aufhören, dass Juden in unserem Land verhöhnt werden. Susanne Klemm, Leutershausen

So kann Bayern weitermachen

"Wilder Wald" vom 30. November über die Ausweisung von 52 000 Hektar Staatswald zu besonders geschützten Naturwäldern:

Wie man hört, wird die Staatsregierung bald neue, große Naturwälder in Bayerns Staatswäldern ausweisen. In Sachen Nationalpark hätte die CSU ja einiges gutzumachen. Was wurden manchen Einheimischen in Spessart und Steigerwald nicht Ängste von Enteignung und Betretungsverbot der geliebten Heimat eingetrichtert. "Wenn der Nationalpark kummt, geht alles verreckt!"

Heute wird der Canossagang der CSU zum Triumphzug. "Ein Meilenstein", jubeln die Umweltverbände und die regionalen Waldbürgerinitiativen über die großzügigen Naturwaldausweisungen. Der Weg der Umkehr hat begonnen. Die Forstwirtschaft muss weichen, wird weichen. Es ist angesichts von Klimakatastrophe und Artentod nicht mehr zeitgemäß, die öffentlichen Wälder Bayerns ausschließlich zur Rohstoffgewinnung zu nutzen. Zu groß werden die Schäden am Ökosystem, das der Bevölkerung die lebenswichtigen Ökosystemleistungen spendet. Wenn es auch immer noch nicht für einen neuen Nationalpark langt, wäre ein solcher Ehrentitel für die alten Buchen- beziehungsweise Eichenwälder Frankens kein Luxus. Jeweils ein Nationalpark in den Staatswäldern von Spessart und Steigerwald strahlten für Bayern in die ganze Welt hinaus.

Jetzt nur nicht zögerlich werden. Bayern, wie gewohnt, an der Speerspitze des Fortschritts, würde in Steigerwald und Spessart das Gedenken an die bayerischen Politiker Hans Eisenmann, Alfons Goppel und Franz-Josef Strauß lebendig halten, die den ersten deutschen Nationalpark im Bayerwald mit Wohlwollen begleiteten. Nico Brändlein, Prichsenstadt

© SZ vom 16.12.2020
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