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Falscher Fokus an Schulen

Heute musste ich wieder lesen, dass die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), wie auch andere Verbände, das Wechselmodell an Schulen fordert ("Auf dem Klageweg zu 1,5 Metern"). Nirgends kann ich aber eine Ausarbeitung zu den mittelfristigen Folgen beziehungsweise Fragen finden: Wie sieht es in diesem Modell mit Leistungsbewertungen, insbesondere den Schulaufgaben aus? Wie kann die Mehrbelastung der Lehrkräfte, die ja gleichzeitig eine Klassenhälfte unterrichten und die andere zuhause versorgen müssen, ausgeglichen werden?

Das Tempo im Wechselunterricht ist erfahrungsgemäß reduziert - wie soll der Pflichtstoff nachgeholt werden, der nicht rechtzeitig geschafft wird?

Ohne Antworten auf diese Fragen braucht man in meinen Augen nicht über das Wechselmodell nachzudenken. Deshalb versuchen an der Schule meiner Kinder auch alle (Lehrer, Eltern und Schüler) alles, um das Wechselmodell zu vermeiden!

Um auch noch das Kultusministerium in die Pflicht zu nehmen: Die Versprechungen zur Verteilung von FFP2-Masken werden doch vermutlich genauso enden wie die letzte Ankündigung des Ministeriums, dass die Lehrer mit digitalen Endgeräten versorgt werden: Schon in der vollmundigen Ankündigung wären nicht alle Lehrer versorgt worden, aber angekommen ist zumindest bei uns in der Provinz davon noch gar nichts. Hat das vielleicht damit zu tun, dass ein paar hektisch ausgesuchte Lehrer jetzt schnell eine Sonder-Gratifikation erhalten mussten, also Geld für eine Berufsgruppe verschwendet wurde, die zwar Zeit, personelle Unterstützung und eine gute Schulausstattung (auch an Schutzmaßnahmen) dringend benötigt, aber als eine der wenigen Berufsgruppen keine Geldsorgen hat? Holger Nachtigall, Sachsenried

Solches Leid verjährt nicht

Mit Betroffenheit habe ich den Artikel über die Zustände im Spengelhof gelesen ("Dunkle Sonne", 14./15. November). Ich bin Jahrgang 1953 und war eingeschult von 1959 an mit Spengelhofkindern in der Volksschule an der Situlistraße in München. Viel haben wir Kinder aus "geordneten Verhältnissen" wohl nicht mitbekommen von den unsäglichen Zuständen dort. Eine Erinnerung begleitet mich jedoch: Fast jeden Tag baten mich Spengelhof-Kiner um einen Anteil am Pausenbrot. In meinem kindlichen Mitleid habe ich mich einmal meinen erstaunten Eltern gegenüber durchgesetzt und einen ganzen Stapel Leberwurstbrote gestrichen und in die Schule geschleppt. Aber irgendwie konnte und wollte man außen herum nicht glauben, dass diese Kinder dort im Mangel lebten. Und sie lebten ja wohl nicht nur im Mangel an Nahrung, sondern auch an Wohlwollen und Freundlichkeit. Von ihrer psychischen und physischen Unversehrtheit ganz zu schweigen. Es rührt mich heute noch an und ich wünsche mir gesellschaftliches Mitgefühl und umfassende, schnelle institutionelle Anerkennung - mindestens in Form einer ehrlichen Entschuldigung - für Herrn "Peter Frey" und all die anderen Betroffenen. Es ins Bewusstsein zu rücken, bedeutet, künftig den Blick der Allgemeinheit - der Menschen, der Nachbarn - zu schärfen, dass es solche Formen von Gewalt und Leid in nächster Nähe gibt. Das ist ein Beitrag zur Prävention, gerade auch für Kirchen, zukünftiges Leid zu verhindern. Alle Täterinnen und Täter sollen wissen, dass solche Dinge nicht verjähren und irgendwann ans Tageslicht kommen! Ingrid Berwanger, Coburg

© SZ vom 28.11.2020
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