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Was wurde aus ...?:Was vom letzten Tauchgang blieb

Die Sängerin Marina Trost verunglückte bei Dreharbeiten zu "Amaara - The Song of the Whales". Aus 100 Stunden Material machte Sebastian Jobst einen Film, der nun ausgezeichnet wurde

Von Michael Bremmer

Der ganze Film war geprägt von Träumen. Von Schicksalsschlägen. Auch vom Tod der Sängerin Marina Trost, die für den Film "Ama'ara - The Song of the Whales" mit Walen schwimmen und singen wollte und von einem letzten Tauchgang im Sommer 2019 nicht mehr zurückkam. Sie verunglückte im Alter von 43 Jahren tödlich.

Vor kurzem feierte der Film auf dem "Illuminate Film Festival" in Sedona, Arizona, Weltpremiere. Es ist eines der wichtigsten Festivals für spirituelle Filme. "Ama'ara - The Song of the Whales" wurde dort mit dem "Director's Choice Award" ausgezeichnet, also mit dem Preis der Festivalleitung und der Jury.

Aber nicht nur diese Auszeichnung freut den Münchner Filmemacher Sebastian Jobst. "Da es für Marina und mich bereits bei Beginn der Dreharbeiten ein großer Wunsch war, beim Illuminate Film Festival die Weltpremiere von Ama'ara zu feiern, freut es mich umso mehr, dass wir jetzt ohne große Namen und als Newcomer den Preis verliehen bekommen haben und auch bei den internationalen Zuschauern so gut angekommen sind", sagt er. Wichtig war ihnen auch, mit dem Film eine Art "Bewegung zu starten", wie Jobst sagt. Nehme man nun die ersten Reaktionen auf den Dokumentarfilm, seien viele Menschen vom Singen mit den Walen inspiriert worden.

Ursprünglich sollte es ein Film über Wale werden. Am Ende wurde es Marina Trosts Vermächtnis, das Sebastian Jobst fertigstellte.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

"Ama'ara - The Song of the Whales" ist allerdings keine Dokumentation, in der die Bedrohung der Umwelt aufgezeigt wird. Stattdessen wollte Jobst "eine emotionale Verbindung mit dem Zuschauer aufbauen", wie er damals bei einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte. Er wollte ein Umdenken erreichen. Und auch dies zeige sich nach den ersten Reaktionen der Zuschauer. Er spüre anhand der Botschaften, dass der Film die Zuschauer dazu bringe, achtsamer mit den Walen, achtsamer mit dem Planeten umzugehen.

Maia Monasterios, Kuratorin des "Illuminate Film Festivals", lobte etwa "die kraftvolle filmische Reise", die sie sehr "tief bewegt" und an einen Ort geführt habe, "an dem ich mich wirklich mystisch fühlte". Tonia Madenford und Frank Jacob, zwei Filmemacher aus Los Angeles, lobten die vielen kraftvollen Momente des Films. Es sei unmöglich, den Film zu sehen, ohne zu weinen, "sowohl vor Freude als auch Traurigkeit".

Der Film wurde mit Crowdfunding finanziert. Insgesamt 35 000 Euro sind auf diese Weise zusammengekommen. Mit diesem Geld konnte Jobst die Filmcrew zahlen, er selbst habe "gar nichts verdient". Auf der anderen Seite werden nun durch den Film neue Projekte möglich.

Das Filmplakat zu "Amaara - The Song of the Whales".

(Foto: Verleih)

2018 war das Filmteam zu einer ersten Expedition nach Hawaii aufgebrochen, ein Jahr später in das Königreich Tonga im Südpazifik. Jobst erinnert sich immer noch an die Begegnungen mit den Walen. "Ich habe erlebt, wie sie ganz bewusst mit ihren Augen den Kontakt zum Menschen gesucht haben", sagte er damals im SZ-Interview. Auch die Walgesänge, die er damals erstmals in der Natur gehört hatte, waren für ihn ein "sehr emotionaler Moment", bei dem ihm, wie er sagt, "Tränen gekommen sind". Und natürlich erinnert ihn der Film an Marina Trost. An ihr Unglück,das er miterlebt hatte - er war im Boot, als die Sängerin zu ihrem letzten Tauchgang ins Wasser sprang. Der Film ist

Marina Trosts Vermächtnis.

Weit mehr als 100 Stunden Filmmaterial hatte Sebastian Jobst aufgenommen. Im Januar 2021 stellte er "Ama'ara - The Song of the Whales" fertig und reichte den Film bei Festivals ein. Ende Juni wird der Film beim Queens World Filmfestival in New York gezeigt. Auch bei den Dokumentarfilm-Festivals in Kassel und Hof hat sich Jobst beworben, hier steht eine Entscheidung aber noch aus. Weitere Informationen im Internet unter https://amaarasongofthewhales.com

© SZ vom 12.06.2021
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