Walzer, links herum Prominenter Debütant

Jonas Kaufmann kommt zum Wiener Opernball

Von Susanne Hermanski und Matthias Weber, Wien/München

Der prominenteste Münchner Debütant des diesjährigen Wiener Opernballs? Keine Frage, das ist Jonas Kaufmann. Schon am Abend vor dem Ball lacht er sein klangvollstes Tenorgelächter bei einem kleinen Empfang, der ihm zu Ehren in der Bar des eleganten Hotels "Bristol" gleich neben der Oper gegeben wird. "Ja, ich bin auch Debütant", ruft er und betont, dass er natürlich nicht nur zum Singen an die schöne blaue Donau gekommen ist. "Ich werde auch tanzen. Inkognito wird's schwer, aber ich werde mich in die Ballnacht stürzen", sagt er bei bester Laune. Grund dazu hat er, denn seine Plattenfirma hat ihm, nach seiner gerade absolvierten, heftig bejubelten Opernball-Generalprobe am Mittwochabend, voller Stolz ein Platin- und zwei Goldene Schallplatten überreicht.

Und so isst Jonas Kaufmann gemeinsam mit den Ballerinen und Tänzern des Staatsballetts, dem Direktor der Oper, Dominique Meyer, der neuen Organisatorin des Opernballs Maria Großbauer und dem ORF-Moderator Alfons Haider - der macht das jetzt schon seit 22 Jahren - schon mal ein paar Austern und ein Löffelchen Kaviar. Auf den Champagner verzichtet er, schließlich sollen beim Ball ja seine Arien perlen, nicht der Schweiß: "Alkohol tut der Kontrolle über die Stimme nicht gut", sagt er, und erzählt den um ihn versammelten Damen einen Schwank über einen Kollegen aus der Bass-Lage, der beweist, das Kontrolle längst nicht alles ist: Der Sänger für den Abend fällt aus, weswegen der Intendant dessen Ersatzmann darüber mittags in Kenntnis setzt, dass er nun seinen großen Auftritt haben werde. Der Ersatzsänger, ein fleißiger Zecher, sagt ebenfalls ab, er sei leider viel zu betrunken. Am nächsten Tag möchte sich der Bass beim Intendanten dafür entschuldigen, kommt aber überhaupt nicht zu Wort: "Großartig haben Sie gesungen", lobte sein Chef. "Eine wahre Geschichte", schwört Kaufmann.

Maria Großbauer sitzt tiefenentspannt mit am kleinen Bartisch, sie ist mit ihren 36 Jahren die jüngste "Ballmutti", die Wien je hatte. Ja, so nennen sie hier diese Zeremonienmeisterinnen, die ihr Amt im Durchschnitt ähnlich lang bekleiden wie es früher Fürsten taten, als die Österreicher ihren Adel noch nicht abgeschafft hatten. Auch sie ist also eine Art Debütantin in diesem Jahr.

Unter den 144 echten Debütanten der Saison 2017 sind diesmal keine Münchner, aber einige jungen Menschen aus Bayern zu finden. Ein Paar aus Rosenheim ist darunter und eines aus dem Münchner Umland. Stefanie Jodl aus Dorfen hat es geschafft, sie hat mit ihrem Partner Andreas Hastreiter das ganze Auswahlverfahren durchgestanden. Die Debütanten müssen zwischen 17 und 24 Jahre alt sein und "sehr gute Linkswalzerkenntnisse" mitbringen. "Der muss perfekt sitzen. In Bayern tanzt man ja eher rechts herum", sagt Jodl. Das Paar hat dann extra noch drei Tanzstunden genommen, damit nichts mehr schiefgeht.

Der Traum vom Tanz kann schnell vorbei sein, die Prüfer vom Opernball seien "sehr pingelig". Vergangenes Wochenende waren die zwei für eine Probe in Wien, und da hat es tatsächlich noch ein Paar getroffen, das nicht mehr mitmachen durfte. "Das hat uns schockiert", sagt Stefanie. Ein Ersatzpaar war dann sofort zur Stelle.

"Ein Traum wird wahr", sagt Stefanie Jodl, 18. Von Aufregung vor dem großen Auftritt ist allerdings nichts zu merken, Jodl steht nicht zum ersten Mal im Rampenlicht. Sie hat sich über die vergangenen Jahre hinweg einen Namen gemacht als volkstümliche Musikerin. Auch ihr Tanzpartner, der aus dem Bayerischen Wald stammt, kommt aus der volkstümlichen Szene. Es sei gar nicht so einfach gewesen, sagt Jodl, einen geeigneten Tanzpartner hier in der Region zu finden. Bei der strengen Auswahl durch den Wiener Opernball habe es dann aber sicher nicht geschadet, dass die beiden sich mit Musik auskennen.

Billig ist das Tanzabenteuer übrigens nicht. Die so genannte Komiteekarte, die jeder Debütant kaufen muss, kostet mehr als 100 Euro. Und dann das Outfit: Männer tragen einen schwarzen Frack, die Frauen ein Kleid in "Schneeweiß, nicht Cremefarben", sagt Stefanie Jodl, lange weiße Handschuhe und weiße Schuhe sind Pflicht.