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Vorläufiges Aus für dritte Münchner Flughafen-Startbahn:Abschied vom unnötigen Großprojekt

Nein zur dritten Startbahn: Diesem Slogan – hier auf einem Kinder-T-Shirt – hat sich nun auch Ministerpräsident Markus Söder angeschlossen.

(Foto: Robert Haas)

SZ-Leser halten Söders Erklärung für überfällig und hoffen, dass das Geld nun in eine Express-S-Bahn zum Airport fließt

"Dritte Startbahn kostete bisher 236 Millionen Euro" vom 21. September sowie "Zwei reichen", "Ein sehr, sehr guter Tag für Attaching" (SZ-Lokalausgabe Freising) und "Nur Applaus, sonst nichts" (Bayernteil) vom 17. September über die vorerst nicht weiter verfolgten Pläne für eine dritte Startbahn am Flughafen München:

Aus allen Plänen streichen

Es klingt zunächst gut, was Ministerpräsident Söder am 16. September vor der CSU-Landtagsfraktion geäußert hat: Pläne für die dritte Startbahn sollen bis mindestens 2028 auf Eis gelegt werden, der Bau der dritten Bahn habe sich für ihn erledigt. Was sind solche Äußerungen aber wert, wenn der Planfeststellungsbeschluss fortbesteht und die dritte Bahn im Landesentwicklungsprogramm Bayern (LEP) nicht gestrichen wird? Dort heißt es im Kapitel 4.5.1: "Für den Verkehrsflughafen München ist eine dritte Start- und Landebahn mit den erforderlichen Funktionsflächen zu errichten".

Die gegenwärtige Amtszeit von Ministerpräsident Söder reicht bis 2023. Welchen Wert haben seine Zusagen weit darüber hinaus? Ohne Beendigung des Planfeststellungsbeschlusses und Streichung der dritten Bahn im LEP ist es ein leeres Versprechen. Also weg mit diesen Hindernissen - das wäre ein klares Votum. Prof. Dr. Gerhard Müller-Starck, Freising

Lob für Söders Federstrich

Markus Söder, der bayerische Ministerpräsident, greift zur Schreibfeder und beendet mit einem Federstrich diese überflüssige K(r)opfgeburt. Der (gesunde) fränkische Menschenverstand hat gesiegt und hat mit Hirn und Verstand die dritte Startbahn am Flughafen München ganz einfach vom Tisch gefegt. Siehst du Mensch, so einfach kann bayerische Pandemie-Politik auch sein! Klaus P. Jaworek, Büchenbach

Bahn frei für Express-S-Bahn

236 Millionen Euro für die Nicht-Errichtung der dritten Startbahn des Flughafens München (MUC) in den Sand gesetzt? Nein, nicht unbedingt! Manchmal kostet halt in Bayern die Lernkurve sehr viel, um sich von einem unnötigen Großprojekt - Transrapid, Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf et cetera - noch halbwegs sinnvoll zu verabschieden. Alle, die der dritten Startbahn nachtrauern, mögen sich die prima Skizze aus der SZ vom 17. September auf der Seite R1 selbstkritisch anschauen, denn diese Skizze ist für die Problemerkennung selbsterklärend: Anders, als die neue Landebahn "Nordwest" in Frankfurt, die autonom, ohne Kreuzung mit den anderen Start- und Landebahnen, mit den beiden Terminals des Flughafens Frankfurt verbunden ist, ist in MUC die bislang nördliche Bahn für alle vier Funktionen - Starten in Richtung Westen, Landen aus Richtung Westen, Starten in Richtung Osten, Landen aus Richtung Osten - ohne jegliche Einschränkungen verfügbar.

Wenn aber die dritte Startbahn gebaut würde, wäre die Funktionalität der bislang zweiten, nördlichen Bahn ziemlich eingeschränkt, ja im Prinzip kastriert. Denn um von den beiden Terminals zur dritten Bahn beziehungsweise von der dritten Bahn zu den Terminals zu gelangen, müssten die Rollwege der Flugzeuge immer im notwendigen Sicherheitsbereich die zweite Bahn ebenerdig kreuzen. Dies bedeutet, dass von den vier aufgeführten Funktionen der zweiten Bahn nur der Start Richtung Westen uneingeschränkt möglich ist. Bei Landungen aus Richtung Westen müssten wegen des möglichen Durchstarten-Könnens die Kreuzungswege zur dritten Bahn gesperrt werden. Dies gilt natürlich dann auch bei Starts und Landungen der zweiten Bahn aus und in Richtung Osten.

Auf diese nicht zu lösende Zwickmühle haben mich zwei befreundete Lufthansa- und Condor-Piloten hingewiesen: Entweder die dritte Bahn ist autonom, jederzeit auf den Rollwegen erreichbar, dann ist die zweite Bahn ziemlich gehandicapt. Oder die zweite Bahn ist immer verfügbar, dann ist aber die dritte Bahn nicht mehr jederzeit autonom mit den beiden Terminals verbunden. Die potenziellen Slots der zweiten und dritten Bahn schränken sich folglich gegenseitig ein.

Was aber mit den frustrierten Planern für die dritte Bahn und den 1,6 Milliarden Euro eingeplanten (abzüglich den bislang ausgegebenen 236 Millionen Euro), jetzt nicht mehr benötigten Mitteln für die dritte Bahn sinnvoll anfangen?

Wie wäre es denn, wenn die Flughafen München GmbH (FMG) den viergleisigen Ausbau des Bahn-Ostrings von Daglfing bis Johanneskirchen und dann weiter die S-Bahn-Strecke von Johanneskirchen bis zum Flughafen für Tempo 160 (eventuell auch Tempo 200) vorfinanziert und ausbauen lässt? Da auf der S-Bahn-Stammstrecke ab Ostbahnhof noch eine Line "frei" ist, könnte endlich eine Express-S-Bahn (S-EX) Non-Stopp vom Ostbahnhof in 16 Minuten zum Flughafen fahren, und ab Hauptbahnhof in 25 Minuten zum Flughafen-Terminal. Das wäre doch endlich mal was Gescheites! Heinbert Janze, München

© SZ vom 26.09.2020
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