Singer-Songwriter

Rente für einen Heiligen

Ganz profane Ursachen gebaren den bis heute leuchtenden Fixstern der Pop-Sinnsucher, den Großmeister eines melancholischen Folk-Gottesdienstes, den Oberzeremonienmeister einer blues-getränkten Schwermut: Bevor der bereits 32-jährige Leonard Cohen mit "Suzanne" 1967 groß herauskam, hatte er bereits zwei Romane und vier Gedichtbände geschrieben, aber eben auch gemerkt, dass sich mit Literatur ein vergeistigtes Aussteigerleben - am liebsten auf der griechische Künstlerkolonie-Insel Hydra - schwer finanzieren lässt. Also griff er zur Gitarre.

Weil sich aber zudem die meisten Fremdkompositionen schnell als ungeeignet für den knarrigen Bass des jüdischen Weltreisenden aus Kanada erwiesen, musste der sein dunkles Organ schließlich mit eigenem Material in Szene setzen. So begann die Weltkarriere des von vielen nahezu als Heiligen verehrten Schöpfers von lyrisch-philosophischen, gerne auch politisch durchdrungenen Balladen wie "Dance Me to The End of Love", "Bird on The Wire","So Long, Melanie" oder "Hallelujah".

Nicht minder profan ist der Grund, der die Legende Cohen nun nach 15 Jahren wieder auf die Bühnen brachte: Während der fünf Jahre, die er sich in ein Zen-Kloster zurückgezogen hatte, brachte seine Managerin sein Vermögen durch. Cohen muss also schlicht wieder seine Rente erarbeiten. Nach allem, was von den bisherigen Konzerten bekannt ist, scheint das ein Glücksfall zu sein. Auch in der Münchner Olympiahalle wird sich wohl ein fast altersloser, ja jugendlich beschwingter 73-Jähriger präsentieren, der mit eher noch gereifter Stimme, fit, gelöst, weise und verschmitzt die alten Kämpfe Revue passieren lässt. Kämpfe, die zwar ausgestanden sind, deren Wert sich aber bis heute erhalten hat.

An dem als einmalige Tour geplanten Comeback hat Cohen dem Vernehmen nach so viel Geschmack gefunden, dass er weitermachen will. Und auch sein sonstiger kreativer Output ist nicht übel: Parallel zum Münchner Konzerttermin erscheint im Blumenbar-Verlag die von Größen wie Karl Bruckmaier, Jens Friebe oder Wolf Wondratschek übersetzte deutsche Fassung von Cohens neuem "Buch der Sehnsüchte".

Leonard Cohen, Mo., 6. Okt., 20 Uhr, Olympiahalle, 21839281

(SZ-Extra vom 2. Oktober 2008/Oliver Hochkeppel/jh) Foto: dpa

1. Oktober 2008, 16:152008-10-01 16:15:00 ©