Kino

"Elegy - oder die Kunst zu Lieben": Die Spanierin Isabel Coixet verfilmt einen Roman von Philip Roth

Verliebt in den Professor. Mädchen sind so. Das fängt mit dem Lehrer in der Schule an, der so gut Rilke vortragen kann und das schon kennt, worüber die Jungs in der Klasse erst noch ihre Zoten reißen. In der Uni geht das dann weiter: Der erfahrene, intellektuell brillante Meister wird zum Objekt jeglicher Begierde zwischen Geist und Körper. Dass seine Haut schon welkt und seine Hände Altersflecken haben, ist da Nebensache. Trotzdem fehlt derlei Liaison oftmals die Leichtigkeit.

Manchen enden sogar in der Ehe - oder noch tragischer. Zu welcher Kategorie Elegy gehört, verrät freilich schon der Titel. Der charismatische Professor David Kepesh (Ben Kingsley) wird seit jeher von willigen Studentinnen umschwärmt. Er hat, wie der Bayer sagt, nichts anbrennen lassen und dabei die flotten Motten in Scharen verheizt. Er befriedigt eine Zeit lang seine Eitelkeit an ihnen, dann wendet er sich der Nächsten zu.

Doch wie das im Film so sein muss: Alles ändert sich, als Consuela Castillo (Penélope Cruz) in den Hörsaal seines Lebens ritt. Sie ist ebenso schön wie klug und obendrein selbstbewusst. Kepesh weiß, dass sie ihm gewachsen ist und bricht zunehmend in Panik aus. Sein Selbstbild gerät ins Wanken, seine Zweifel an Consuelas Liebe fressen ihn auf, seine Eifersucht wird obsessiv.

Die Spanierin Isabel Coixet (Mein Leben ohne mich) hat mit Elegy eine Vorlage der amerikanischen Schriftstellers Philip Roth verfilmt. Sie erzählt die Geschichte in dunklen, braunschwarzen Bildern aus der Perspektive des Mannes. Viel zu gut trifft sie dabei das entsprechende Altherrenpathos.

Ihre Hauptfigur, Kepesh, hält mühsam Kraft seines Geistes sein bröckelndes Leben zusammen. Seine Traumfrau bleibt dem Zuschauer wie ihm selbst dabei eigenartig fremd und unklar. Da wirken Kepeshs Beziehungen zu den Nebenfiguren fast interessanter. Auch die sind prominent besetzt: Dennis Hopper (Blue Velvet) ist Davids Freund, ein anderer Geisteswissenschaftler, mit dem er sich über die Absurdität der Liebe austauscht. Blondie Deborah Harry (Mein Leben ohne mich, Regie: Coixet) gibt dessen Frau. Patricia Clarkson (Dem Himmel so fern) glänzt in der Rolle von Davids Langzeit-Betthupferl. Insgesamt gebührt diesem Film jedoch nicht mehr, als er sein will: ein wohl gesetztes Klagelied.

Foto: AP

(SZ-Extra vom 14.8.2008/Susanne Hermanski/jh)

13. August 2008, 18:032008-08-13 18:03:00 ©