Unterrichtsbeginn:Münchner Schüler schlafen länger - aus Protest

Unterrichtsbeginn: Hannah Imhoff ist Sprecherin der StadtschülerInnenvertretung München und hat den Streik organisiert.

Hannah Imhoff ist Sprecherin der StadtschülerInnenvertretung München und hat den Streik organisiert.

(Foto: Julian Schulz)

Sie streiken und fordern Gleitzeit. Stadtschülersprecherin Hannah Imhoff hat per Whatsapp zu der Aktion aufgerufen.

Interview von Isabel Meixner

Schlafen und damit streiken: Das ist wohl der Traum nicht nur vieler Jugendlicher. Die StadtschülerInnenvertretung mit Sprecherin Hannah Imhoff, 18, hat die Münchner Schüler an diesem Dienstag genau dazu aufgerufen. Mit der Aktion, die sie per Whatsapp-Kettennachricht einander weitergeleitet haben, will Imhoff für Gleitzeit an Schulen werben.

SZ: Sie wollen schlafend streiken und erst um 9.30 Uhr in die Schule kommen. Sind Sie ein Morgenmuffel?

Hannah Imhoff: Nein, ich persönlich kann morgens sehr gut arbeiten. Wenn ich für eine Schulaufgabe zu wenig gelernt habe, dann stelle ich mir den Wecker in der Früh noch eher und setze mich noch einmal hin. Aber so geht es halt nicht allen Schülern. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Jugendliche länger schlafen sollten, um überhaupt aufnahmefähig zu sein.

Wann sollte die Schule anfangen?

Ich halte nichts davon, dass man willkürlich eine Zeit festlegt, die man den einzelnen Individuen überstülpt - sei es acht Uhr oder 9.30 Uhr. Unsere Aktion soll ein Aufruf für Gleitzeit an Schulen sein, wie es sie ja auch bei vielen Arbeitsplätzen gibt.

Wie haben Ihre Mitschüler auf die Aktion reagiert?

Ich habe den Aufruf einer Freundin geschickt, die hinter Prien in die Schule geht, also richtig auf dem Land. Sie wollte die Aktion gleich in den Klassenchat stellen, aber dann hat sie mir geschrieben: "Das hat schon jemand geteilt, wir diskutieren jetzt darüber, ob wir uns an dem Streik beteiligen." Was mich auch total gefreut hat. Ein Klassenkamerad hat sich bei mir gemeldet und gleich gefragt, ob wir dann länger bleiben müssen, wenn wir später anfangen. Aber das ist ja nicht die Idee des Gleitzeitprojekts. Mich hat das gefreut, dass er sich auch gleich mit einer kritischen Frage gemeldet hat. Er hat jetzt gemeint, er würde an dem Streik mitmachen.

Wie viele Schüler haben denn angekündigt teilzunehmen?

Das kann ich schwer sagen. Wenn man eine Facebook-Veranstaltung erstellt, kann man ja relativ genau sagen, wie viele Leute "Nimmt teil" oder "Interessiert" geklickt haben. Wir haben die Aktion über eine Whatsapp-Kettennachricht verbreitet, so haben wir eine viel größere Reichweite. Da kann man aber nicht sehen, wie viele Leute die Nachricht schon bekommen haben.

Haben Sie Angst, die Einzige zu sein, die streikt?

Das glaube ich nicht. Ich habe schon mal eine Schülerdemo organisiert, und da ist die ganze Klasse zusammen hingegangen. Da hatten wir allerdings mehr Vorlauf. Dieses Mal haben wir erst am Samstag angefangen. Wir setzen auf das Schnelle und Spontane. Wenn ich eine Einladung zu einer Aktion in einer Woche bekomme, habe ich das doch wieder vergessen.

Haben Sie mit Ihren Lehrern schon über das Thema Gleitzeit geredet?

Nein, wir hoffen, dass sich das nach der Aktion ergibt. Von dem Streik wissen sie nichts.

© SZ vom 21.06.2016/mkro
Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB