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Ausgrenzung an Schulen:Wenn Lehrer nicht die richtigen Worte finden

"Mit dem Preis wollen wir diejenigen Jugendlichen würdigen, die Homosexualität zur Diskussion bringen", sagt Terwort. 2012 wird der Preis nun zum fünften Mal verliehen. Für den Gewinner stehen 500 Euro Preisgeld zur Verfügung, Einsendeschluss ist Mitte August. Beim vergangenen Mal gewann eine Schülerin aus Bruckmühl im Landkreis Rosenheim, die in einem Märchen die Schwierigkeiten eines Jugendlichen beim Coming-out geschildert hat.

Michael Schmidpeter Preis

Ein Bild von der Verleihung des Michael-Schmidpeter-Preis 2010 in Ingolstadt.

(Foto: Lambda Bayern)

Für den Michael-Schmidpeter-Preis könne jegliche Art von Beiträgen eingereicht werden, betont Terwort. Kurzgeschichten, Videos, aber auch Projekte, bei denen einen ganze Schulklasse beteiligt ist. Ein Radiobeitrag über Homosexualität, der in der Schule über Lautsprecher ausgestrahlt wird, zum Beispiel, oder die Initiative eines Fußballvereins, der eine Coming-out-Beratung nach dem Training anbietet. Lambda will Projekte, die auf Öffentlichkeit zielen, die das unmittelbare Umfeld zur Diskussion und zum Nachdenken anregen.

Lambda bietet zudem Jugendgruppen für Schwule, Lesben und Bisexuelle an, in München und in zehn anderen bayerischen Städten. Zudem besucht der Verein regelmäßig Schulen und Jugendzentren, um dort Workshops abzuhalten. Das Ziel von Lambda: Vorurteile abbauen, Aufklärungsarbeit leisten und sich für Toleranz einsetzen.

Vor allem in ländlichen Gebieten ist Homosexualität noch immer ein Tabuthema. In einem Klassenraum, in dem ein Kruzifix hängt und von dessen Fenster aus die Alpenidylle zu sehen ist, ist für Homosexualität oft kein Platz - so zumindest der Eindruck. Viele Lehrer wissen nicht, wie sie mit dem Thema umgehen sollen, manche scheuen sich davor.

Terwort macht ihnen keinen Vorwurf. "Das ist völlig okay", sagt der 26-Jährige. Nicht jeder Lehrer fühle sich berufen, über Sexualität zu sprechen, schon gar nicht über Homosexualität, und halte sich an das, was die Lehrbücher im Sexualkundeunterricht vorgeben. "Wenn das Buch gut ist, reicht das meist", sagt Terwort. "Sonst kann gerne einer von uns vorbeikommen." Birger Nemitz, Sprecher im Kultusministerium, betont: "Es besteht für Schulen immer auch die Möglichkeit, homosexuelle Menschen als externe Partner mit einzubeziehen." Lehrer würden regelmäßig in einem Newsletter über die Projekte von Lambda informiert.

Einmal stellte Terwort zu Beginn eines Workshops die Frage: "Kannst du dir vorstellen, dass schwule Männer in einer langfristigen Beziehung zusammen leben können?" Ein Jugendlicher antwortete: "Ich glaube, dass Schwule immer nur Sex haben wollen und solche Beziehungen sind unnatürlich." Doch nachdem Terwort aus seinem Leben erzählt und die Schüler Fragen gestellt hatten, änderte der Jugendliche seine Einstellung. Terwort wollte wissen: "Glaubst du, dass schwule Männer ein Kind großziehen können?" Der Junge antwortete mit: "Ja."

Weitere Informationen unter www.schmidpeter-preis.de oder www.lambda-bayern.de.

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