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Und jetzt?:Unsaubere Arbeit

Andreas Müller erforscht Kornkreise. Den neuesten im Kreis Fürstenfeldbruck hat er zwar nicht selbst untersucht - er hält es aber für möglich, dass dabei Menschen ihre Hand im Spiel hatten

Interview von Monika Kalisch, Fürstenfeldbruck

Andreas Müller, 39, stammt aus Saarbrücken und ist Kornkreisforscher. Mit seiner Facharbeit in der Schule begannen seine Untersuchungen, seit 1994 prüft und dokumentiert er jährlich Felder, auf denen Kornkreise entstanden sind. Müller beschäftigt sich besonders mit dem sogenannten echten Phänomen, also mit Kornkreisen, deren Entstehung nicht erklärt werden kann. Auch wenn er nicht vor Ort war: Müller hält es zumindest für möglich, dass der Allinger Kornkreis von Menschen gemacht ist.

SZ: Können Sie anhand von Bildern oder Berichten anderer Forscher eine Vermutung anstellen, wie der Kornkreis in Alling entstanden ist?

Andreas Müller: Nein, ich würde das nicht von mir behaupten. Das Problem ist, dass man einen Kornkreis möglichst schnell nach seiner Entstehung beziehungsweise Entdeckung untersuchen muss.

Warum?

Wurde der Kornkreis erst einmal von anderen begangen, sind Hinweise sowohl auf "echte Phänomene" als auch für eine menschliche Konstruktion regelrecht zerstört. Das ist ähnlich wie an einem Tatort eines Verbrechens. Fotos und Luftbilder geben aber zumindest einen Eindruck von der Exaktheit des Musters. Auch echte Kornkreise müssen nicht immer geometrisch perfekt sein. Wenn aber ein Muster typische konstruktive Fehler aufweist, deutet das schon auf unsaubere Arbeit hin.

Was verstehen Sie unter einem sogenannten echten Phänomen?

Dieses beschreibt Kornkreise, bei denen die Entstehung nicht erklärt werden kann. Vermutet werden dahinter noch unbekannte Naturphänomene. Kornkreise werden schon seit Jahrhunderten beschrieben, erste Hinweise darauf gibt es bereits im Mittelalter. Die Theorie der "echten Phänomene" verstärkt sich, da Augenzeugen schon Kornkreise in der Entstehung beobachtet haben wollen, ohne dass dabei Menschen ihre Hand im Spiel hatten. Als Forscher beschäftige ich mich damit, Hinweise auf diese "echten Phänomene" zu finden.

Was sind das für Hinweise?

Niedergelegtes Getreide zum Beispiel kann sich von selbst wieder aufrichten. Diese natürlichen Vorgänge können dem, was wir sonst als Anomalie deuten, sehr ähnlich sein. Dennoch sind die beiden Merkmale klar voneinander zu unterscheiden.

Wie denn?

Wachstumsveränderungen dauern bei natürlichen Prozessen mehrere Tage und sind deutlich schwächer ausgeprägt als bei Anomalien. Bei diesen kann die Reproduktion etwa durch Mikrowellenbestrahlung in kurzer Zeit geschehen.

Es gab hier in der Gegend auch den Andechser Kornkreis. Welche Vergleiche können Sie ziehen?

Den Andechser Kornkreis habe ich vor Ort untersucht. Obwohl er groß, geometrisch und beeindruckend war, fand ich keine Anomalien. Später zeigte sich auf Satellitenaufnahmen, dass der Kornkreis in mindestens zwei Etappen angelegt wurde. Für mich ist es daher eindeutig, dass er von Menschen stammt.

Was bedeutet das für den Kornkreis im Landkreis Fürstenfeldbruck?

Wenn man akzeptiert, dass es in der Region eine Gruppe von Menschen gibt, die einen solchen Kornkreis, wie in Andechs, erschaffen kann, dann kann man nicht ausschließen, dass auch der jetzige Kornkreis in Alling auf diese Weise entstanden ist. Die Formensprache und Größe ist vergleichbar.

Kennen Sie Kornkreise mit ähnlichen Mustern? Wenn ja, können Sie Parallelen zum Allinger Kornkreis ziehen?

Es gab und gibt natürlich auch andere Kornkreise mit einer Acht-Stern-Symbolik. Gerade auch aktuell in England. Aber eine Parallele sehe ich da nicht.

Andreas Müller, Kornkreisforscher

Kornkreisforscher Andreas Müller, 39. Er ist Gründer und Leiter des "International Crop Circle Archive", in dem alle Kornkreise dokumentiert werden.

(Foto: privat)

Wie würde denn die Erforschung des Allinger Kornkreises ablaufen?

Mittlerweile kommt eine Untersuchung von Veränderungen an den Pflanzen leider zu spät. Unmittelbar nach der Entstehung wären es wie folgt abgelaufen: Proben wären mit den unbeeinträchtigten Pflanzen aus dem normalen Feld verglichen worden. Hätten sich dann deutliche Unterschiede und Anomalien gezeigt, wären weitere, aufwendigere Analysen möglich.

Welche?

Dazu gehören Hintergrundrecherchen und weiterführende Analysen, etwa Bildauswertung und Interviews mit möglichen Zeugen.

© SZ vom 29.07.2015
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