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Und jetzt?:Gekämmte Baumwolle

"Ein weißes T-Shirt steht für Lässigkeit - es ist ein Statement im Sinne seiner Simplifizierung", sagt Thomas Escher. Rechts: Nadia Botzenhard.

(Foto: Stephan Rumpf)

Nadia Botzenhard und Thomas Escher haben nur ein Modell im Angebot. Sie glauben, das perfekte weiße T-Shirt für Männer entworfen zu haben

interview Von Sarah Beham

Sie sprechen von 20 verschiedenen Weißtönen, gekämmter Baumwolle und Lässigkeit: Thomas Escher, 37, und Nadia Botzenhard, 35, werben für ihr junges Modeunternehmen whytes damit, das perfekte weiße T-Shirt für Männer designt zu haben. Aber geht das überhaupt?

SZ: Mal ganz ehrlich: Ist es große Kunst, ein weißes T-Shirt zu designen?

Nadia Botzenhard: Aber natürlich. Vom Design-Aspekt her ist es schon so, dass man das schneller entwirft als vielleicht einen Jumpsuit. Nichtsdestotrotz ist der Designanspruch im Sinne der Simplifizierung nicht zu unterschätzen. Wir haben das tatsächlich sehr lange entwickelt, weil es eben perfekt sein sollte.

Sie setzen also alles auf ein weißes T-Shirt.

Thomas Escher: Wir haben 50 000 Euro investiert. Wir sind erst seit vier Monaten online mit dem Shirt und haben 2000 Stück verkauft - und das ohne Investoren. Wir sind relativ gut im Rennen auf dem internationalen Markt.

Aber warum ausgerechnet ein weißes Shirt?

Thomas Escher: Das weiße T-Shirt ist für den Mann sein erstes Fashion-Basic. Das ist auch ein Statement.

Für Rebellion wie bei James Dean?

Thomas Escher: Ich glaube nicht, dass es für Rebellion steht, aber ich glaube, dass es nach wie vor für Lässigkeit steht. Ein Statement im Sinne seiner Simplifizierung.

Simpel, weil man nicht lange nachdenken muss, ob es zu einem passt?

Nadia Botzenhard: Ja, das stimmt. Es ist ein Hingucker, wenn es ein perfektes weißes Shirt ist.

Das richtige Weiß? Gibt es verschiedene Weißtöne?

Nadia Botzenhard: Es gibt unendlich verschiedene Weißtöne, wenn man alle miteinander vergleicht. Einmal mit Rotstich, Graustich oder Gelbstich.

Man könnte denken, es gibt es in der Mode bereits alles. Wie kommt man auf die Idee, das perfekte weiße T-Shirt zu designen?

Thomas Escher: 2009 sind wir zusammen für fünf Jahre nach New York gegangen und haben nur das Nötigste mitgenommen. Vor Ort muss man dann gucken, wo man die alltäglichen Gebrauchsgegenstände und auch seine weißen T-Shirts herbekommt. Da habe ich angefangen, nach einem geilen weißen T-Shirt zu einem erschwinglichen Preis zu googeln. Das habe ich nicht gefunden, das war der Startpunkt.

Was macht das T-Shirt von whytes perfekt?

Nadia Botzenhard: Wir haben weltweit 400 Modeblogger gefragt und ihnen die simple Frage gestellt: Wie sieht für euch ein perfektes weißes Shirt aus? Der Schnitt beispielsweise ist bei uns jetzt eng anliegend.

Damit sich die Muskeln der Männer abdrücken . . .

Nadia Botzenhard: Bei denen, die welche haben. Am Kragen und in der Schulter hat unser Shirt beispielsweise ein Stretchband, das es auch nach vielen Waschgängen in seiner ursprünglichen Form hält.

Es geht also nur um den Schnitt?

Nadia Botzenhard: Nein. Unser Stoff setzt sich aus der Baumwolle mit dem höchsten Veredelungsgrad zusammen - eine gekämmte Baumwolle. Die Fasern der Baumwolle sind mit 3,7 Millimetern länger, als bei anderen Standard T-Shirts. Deswegen gibt es keine Unterbrechungen im Stoff.

Mein T-Shirt ist also nicht perfekt.

Thomas Escher: Baumwollstoff ist die Basis für die meisten Shirts. Hinsichtlich der Qualität geht es darum, was für eine Baumwolle es ist und wie sie veredelt wurde.

Aha. Und das können Sie sehen?

Nadia Botzenhard: Relativ schnell, ja. Das Auge ist mittlerweile so geschult, dass du es siehst, bevor du es anfasst.

Thomas Escher: Für die Shirts, die man günstig bekommt, werden Abfallprodukte von Baumwollfasern verwendet, die nur noch ganz kurze Faserstummel haben. Das siehst du den Shirts an, wenn Sonnenlicht darauf reflektiert.

Bei Ihnen kostet ein Shirt 32 Euro.

Nadja Botzenhard: Wir wollen den Premium-Markt ansprechen. Wir bieten ein edles Produkt mit hoher Qualität zu einem bezahlbaren Preis.

Thomas Escher: Das Shirt wird mittelfristig möglicherweise noch ein bisschen teurer werden, zwischen 30 und 40 Euro aber bleiben.

Teurer, weil ihr noch am Perfektsein arbeitet? Aber ihr werbt schon jetzt mit dem Superlativ.

Thomas Escher: Ganz perfekt wird es nie sein, weil wir ständig Feedback einsammeln und dadurch das T-Shirt in kleinen Nuancen noch besser machen.

© SZ vom 12.04.2016
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