Ude über die gescheiterte Olympiabewerbung "Es bricht keine Welt zusammen"

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude hat jahrelang für die Winterspiele 2018 gekämpft, nun ist der Olympia-Rausch vorbei. Dabei ist Ude Niederlagen in politischen Wahlkämpfen nicht gerade gewöhnt. Wie er damit umgeht, dass er ausgerechnet bei seinem Herzensprojekt gescheitert ist und warum er Hoffnungen auf eine neue Bewerbung bremst.

Interview: Silke Lode

Zwölf Jahre lang hat Oberbürgermeister Christian Ude für die Winterspiele 2018 gekämpft, er selbst nennt es einen "Hürdenlauf". Nun ist der Olympia-Rausch vorbei - ein Gespräch mit einem Mann, der Niederlagen nicht gewohnt ist.

Sie waren Münchens Duo für Olympia: Oberbürgermeister Christian Ude und Katarina Witt.

(Foto: dpa)

SZ: Als IOC-Präsident Jacques Rogge das Ergebnis "Pyeongchang" verkündet hat, waren die Mienen in der deutschen Delegation sehr finster. Nur Sie haben gelächelt. Ist das Ihre Art, mit Niederlagen umzugehen?

Christian Ude: Gelächelt habe ich meines Wissens nicht, vielleicht über eine Beobachtung geschmunzelt. Nein, ich bin über das Ergebnis enttäuscht. Das ist ganz selbstverständlich, wenn man ein Ziel zwölf Jahre lang ansteuert und kräftig die Ärmel aufkrempeln musste, um viele Hürden zu überwinden. Aber eine Welt bricht deswegen auch nicht zusammen, und wir haben auch nicht alle Anstrengungen in den Sand gesetzt. Wir hatten eine großartige Kampagne, die bundesweit mitgetragen worden ist und international München auf die sympathischste Weise präsentiert hat.

SZ: Was war Ihr erster Gedanke, als feststand, dass der Olympia-Gastgeber im ersten Wahlgang gewählt wurde?

Ude: Da haben alle Fachleute gesagt: Weil im ersten Wahlgang Annecy noch als Konkurrent dabei ist, wird das wohl einen Sieg von Pyeongchang bedeuten. Alles andere wäre doch zu unwahrscheinlich, solange die europäischen Bewerberorte noch beide im Rennen sind. Uns hat die Nachricht von einem Sieger im ersten Wahlgang schon darauf eingestellt, dass es aller Voraussicht nach auf Pyeongchang hinausläuft.

SZ: Aus politischen Wahlkämpfen sind Sie Misserfolge nicht gerade gewöhnt. Ist es schmerzlich, gerade bei einem Herzensprojekt lernen zu müssen, damit umzugehen?

Ude: Ich habe durchaus am Anfang meiner politischen Laufbahn viele Niederlagen erlitten, die mir zum Teil noch unverständlicher waren als die heutige Entscheidung. Damit muss man immer rechnen, wenn man antritt. Wer eine Niederlage nicht verträgt, soll sich nicht in einen Wettkampf begeben.

SZ: Würden Sie persönlich eine weitere Bewerbung Münchens unterstützen?

Ude: Dafür ist es wirklich zu früh, für jede Einschätzung. Wir haben ja gelernt, dass eine Bewerbung nur Sinn macht, wenn viele Kräfte zusammenwirken: Eine breite Mehrheit in einer Bewerberstadt mit Partnerorten im Alpenraum, im Freistaat, in der Bundesregierung und im gesamten deutschen Sport. Dann braucht man auch noch ausreichend viele Sponsoren. Es wäre also völlig vorlaut, jetzt eine Erklärung abzugeben, dass man sich das wünscht. Wenn nicht alle mitmachen, macht es keinen Sinn.

SZ: Was machen Sie jetzt mit dem Fass Bier, das Sie heute Abend bei der Siegesfeier anzapfen wollten?

Ude: Ich wollte es trotzdem anzapfen, aber ich habe Zweifel, dass es rechtzeitig angerollt wird. Die Arme der Münchner Brauereien reichen doch nicht so weit, wie wir uns das vorstellen. Aber ich bin mit dem lokalen Bier hier auch einverstanden und beherzige den Spruch "Support your local brewery" - und das ist hier in Durban nun einmal eine südafrikanische Brauerei.