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Tucherpark in München:Vertane Chancen direkt an der Isar

Beim Milliarden-Deal werden alte Sünden wohl nicht bereinigt werden

"Milliarden-Deal am Englischen Garten" vom 4. Dezember sowie der Beitrag mit gleichlautendem Titel dazu vom 19./20. Oktober:

Dass Sie diesen "größten Immobilien-Deal seit langem" in dieser exponierten Lage zwischen Englischem Garten und Isar frühzeitig transparent machen, ist verdienstvoll. In Ihrem Beitrag gehen Sie detailliert auf die Planungsgeschichte ein. Ein Aspekt ist zu ergänzen, den Dieter Wieland in seiner Streitschrift "Historische Gärten und Parks", 1993 herausgegeben vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz, besonders hervorgehoben hat: "Noch immer sind die Grünflächen die schwächste Stelle, wenn es um eine neue Bebauung geht... Die Bebauung des großen Grundstücks der Tivoli-Mühle hätte nie genehmigt werden dürfen, wenn es Stadt und Staat ernst gemeint hätten mit der Menschenliebe und der Sorge um das Wohl der Bevölkerung. Es war die letzte Chance, den Englischen Garten in der Millionenstadt zu erweitern."

Mitte der 1950-er Jahre verfolgte die Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung (Landesgruppe Bayern) in ihrem Plangutachten zum Englischen Garten die Erweiterung des Parks bis zur Isar: "Das Gelände der Tivolimühle links und rechts des Eisbachs und weiter nördlich (...) sollte unter allen Umständen von weiterer Bebauung frei bleiben."

1984 zieht die Landesgruppe Bayern in kritischer Präzision Bilanz: "Schwerwiegend sind die Eingriffe östlich des Englischen Gartens auf dem Gelände der ehemaligen Tivolimühle aus den 70-er Jahren. Die dort errichteten Verwaltungsgebäude stellen den Preis für den Verzicht einiger größerer Unternehmen dar, ihre Verwaltungsbauten in der Innenstadt (Bankenviertel zwischen Pranner- und Theatinerstraße) zum Nachteil des innerstädtischen Gefüges zu erweitern."

Ob und inwieweit sich die Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung mit ihrer Kompetenz und ihrer Reputation sich in die nunmehr bei einem Eigentümerwechsel absehbare Modernisierung, Umstrukturierung und Verdichtung des "Tucher-Parks" einbringen wird, bleibt abzuwarten.

Die Stadt München sollte bei den anstehenden Grundstückstransaktionen die Gelegenheit nutzen, zumindest das im Eigentum der Hypo-Vereinsbank stehende, 8000 Quadratmeter große, eingezäunte Areal des ehemaligen Pionierübungsplatzes zwischen Ifflandstraße und Isar nördlich der Bogenhauser Brücke zu erwerben.

Vor zwei Jahrzehnten hat das THW im Jahr 1997 nach heftigem Widerstand diesen Standort an der Isar aufgeben müssen. Die damals geforderte Einbeziehung des Areals in den öffentlich genutzten Grünraum links der Isar kam nicht zustande. Denn der Bund hat 1998 in nicht nachvollziehbarer Weise dieses Areal im Landschaftsschutzgebiet an die Hypo-Vereinsbank veräußert.

Ihr Kollege Otto Fischer hat in der Osterausgabe der SZ von 1990 die Bedeutung des durch die Bundeswehr genutzten Grünbereichs "aufgespießt" und damit wesentlich dazu beigetragen, dass der Pionierübungsplatz an die Donau nach Ingolstadt verlegt wurde. Klaus Bäumler, München