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Theatermacher:"Die Saat ist aufgegangen"

Heiko Dietz, Theaterleiter und Schauspieler.

(Foto: Rumpf)

Heiko Dietz über Erfolg und Leidenschaft

Heiko Dietz führt das "Theater . . . und so fort". Am Anfang stieß er auf Skepsis, doch längst hat sich der Erfolg eingestellt.

SZ: Herr Dietz, Sie leiten seit mehr als 15 Jahren das Theater . . . und so fort. Was raten Sie jemandem, der heute ein Privattheater in München eröffnet?

Heiko Dietz: Dass er auf jeden Fall das machen soll, was er für richtig hält. Wir haben das damals letztlich genauso gehalten, obwohl uns von allen Seiten abgeraten wurde. Das Kulturreferat hat uns gesagt: "Da braucht ihr gar keine finanzielle Unterstützung zu erwarten!", und auf der anderen Seite waren acht junge Leute, die sagten: "Wir wollen aber!". Wir hatten damals aber auch Glück und sind von einem theaterbegeisterten Vermieter herzlich aufgenommen worden. Wir haben natürlich grob kalkuliert und auch einen Spielplan gehabt, ansonsten aber keine weiterführenden Gedanken angestellt. Für uns war einfach selbstverständlich, dass wir das machen müssen und dass wir nicht damit rechnen können, dass der Laden von Beginn an brummt und wir gleich künstlerische Erfolge einfahren.

Sie sind damals ja an einen Ort gekommen, an dem Kunst bereits etabliert war. Im Modernen Theater trat in den Siebzigern der Wiener Aktionskünstler Hermann Nitsch auf, Franz Xaver Kroetz war Hausautor: beides starke, sperrige Theaterkünstler. War es eher Vorteil oder Bürde, nicht bei Null anzufangen?

Ich hatte schon das Gefühl, bei Null anzufangen. Wir haben nicht wirklich angeknüpft an das, was Uta Emmer in der Hans-Sachs-Straße gemacht hat. Das konnten wir auch nicht. Ich bin erst 1989 nach München gekommen, war nur zwei Mal als Zuschauer in diesem Haus und hätte mir nie träumen lassen, dass ich da mal selbst als Theaterleiter sitzen könnte. Aber plötzlich war es so. Wir haben damals schon zehn Jahre als freie Gruppe Theater gemacht und in der Abendzeitung gelesen: "Uta Emmer gibt das Moderne Theater auf!" Das war die Initialzündung, und die nächsten Schritte waren dann gar nicht mehr so groß.

Ihr Programm ist recht breit gefächert und reicht von eigenen, von Ihnen selbst geschriebenen Stücken über moderne Dramatik, Komödien und Chanson-Abende bis zu Comedy-Zauberern und "Dr. Döblingers geschmackvollem Kasperltheater". Wie hat sich das im Laufe der Zeit entwickelt?

Genaugenommen hat sich wenig geändert, bis auf das Eine: Seit wir vom Kulturreferat gefördert werden, können wir auch mal etwas investieren. Am Anfang haben wir alles selbst gemacht und geschaut, wer was beisteuern kann. Unser Ziel war aber immer gutes Theater. Und vom Programm her wurden wir damals schon als Gemischtwarenladen verschrien und bekamen das Label "Theater . . . und schon fort" aufgedrückt. Durch den Umzug im Jahr 2009 in das ehemalige Unterton in der Kurfürstenstraße sind im Grunde nur die Zauberer dazugekommen, die sogar vor Jörg Maurer schon da waren und Angst hatten, dass wir sie verdrängen. Aber ich muss sagen: Das ergänzt sich wunderbar und erweitert unser Angebot noch um eine Sparte. Dass wir unser Haus allerdings auch vermieten mussten, um uns zu finanzieren, ist keine Frage. Das machen wir auch immer noch.

Wie schwer war es, ein eigenes Publikum zu finden, und wie hilfreich war dabei die Tatsache, dass Sie mit TheaterRaum München eine eigene Schauspielschule betreiben?

Junge Leute bringen junge Leute. Das ist so. Damit haben wir das weitverbreitete Problem nicht, dass uns die Jugend wegbleibt. Im Publikum nicht, weil wir - auch durch die Produktionen unserer Schüler - ein recht frisches Programm haben. Und auch auf der Bühne gibt es einige, die im positiven Sinne "hängengeblieben" sind. Zum Beispiel sind in dem Monolog "Bella Noir", den wir aktuell zeigen, mit der Schauspielerin Sarah Dorsel und Noelle Cartier van Dissel, die Regie führt, zwei ehemalige Schüler wieder bei uns. Der Erfolg gibt uns Recht. Die Saat ist aufgegangen.