"The Lovely Concept" Keine Angst vorm Internet

Marie-Charin Thomas setzt mit ihrem Laden "The Lovely Concept" in Haidhausen auf Vielfalt.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Von Franziska Gerlach

Der Traum vom eigenen Laden, der hat sich manchmal auch schnell wieder ausgeträumt, noch dazu nahe dem Wiener Platz, wo für 20 Quadratmeter Ladenfläche schon mal eine Monatsmiete von 3000 Euro anfallen kann. Und trotzdem steht Marie-Charin Thomas, 28 Jahre alt, nun in ihrem neuen Geschäft an der Steinstraße und sagt diesen Satz mit dem Traum und dem Laden. Der soll keine dieser Boutiquen sein, wie es sie in Haidhausen en masse gibt: "Man soll sich bei mir nicht ein Kissen leisten können, sondern gleich zwei." Ende Juli hat Thomas "The Lovely Concept" eröffnet, den Mietpreis von 19 Euro kalt pro Quadratmeter findet sie fair. Wie es sich gehört für einen sogenannten Concept Store, sind hier ganz unterschiedliche Dinge zu haben, die in der Summe aber erstaunlich gut zusammen passen: Babyklamotten und Rasselketten, handgewebte Teppiche aus Marrakesch, Naturkosmetik aus Australien, Schmuck aus Berlin, Schreibwaren aus München und eben Kissen aus dem Iran, für 30, 40 Euro das Stück. Auf 30 Marken kommt Thomas, wenn sie durchzählt, und gerade in dieser Vielfalt besteht für sie ein Vorteil. Wer nämlich ganz Unterschiedliches anbietet, der zieht auch ganz unterschiedliche Kunden an, und besonders samstags kämen zur Laufkundschaft noch viele Haidhauser dazu, die beim benachbarten Bäcker ihr Frühstück einkauften und dann spontan bei ihr vorbeischauten: Ach, ein neuer Laden, ist ja interessant.

Und so kann Thomas, die zuvor in einer PR-Agentur gearbeitet hat, nach den ersten Wochen sagen: "Es läuft gut." Das ganze Geld und die ganze Arbeit, sie haben sich gelohnt. 30 000 Euro hat sie in ihr Geschäft investiert, vor allem Ware hat sie dafür eingekauft. Auch ein Lieferantennetz musste sie aufbauen: Auf Instagram und auf Reisen hat sie nach Marken gesucht. Die Konkurrenz durch das Internet fürchtet sie nicht, zumal sie alle Produkte auch in einem Online-Shop anbietet, etwa ein Drittel ihrer Umsätze macht sie dort. Anders als Zalando und Co. legt sie den Paketen aber keinen kostenlosen Retourenschein bei. Damit der Kunde gar nicht erst auf die Idee kommt, die Bestellung zurückzuschicken.