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SZenario:Mit Michael Jackson im Krankenwagen

Der Jubilar Marcel Avram (re. mit seiner Frau Sabine Avram-Hirsch) sitzt am Tisch "Michael Jackson", mit dem er einiges erlebt hat.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der Konzertveranstalter Marcel Avram hat unzählige Weltstars auf die Bühne gebracht - am Samstag feierte er seinen 80. Geburtstag

Es ist ein unwirklicher Abend, und das liegt nicht nur am Schwarzlicht, sondern auch daran, dass man dem Gastgeber den Anlass dafür tatsächlich nicht ansieht. Der Konzertveranstalter Marcel Avram hat am Samstagabend zur Geburtstagsfeier ins Palais Lenbach eingeladen, am vergangenen Donnerstag ist er 80 Jahre alt geworden. Und nun steht er da, ergraut, aber nicht weiß, umarmt einen nach dem anderen und wirkt dabei agiler als die meisten seiner durch die Bank jüngeren Gäste.

Mehr als 100 Freunde und Wegbegleiter Avrams sind gekommen: darunter vor allem Musikmanager und Ärzte. Der Agent Carl Leighton-Pope ist da, Bayern-Doc Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt sitzt zu Tisch, ebenso Thomas Stein, früher Chef der Bertelsmann Music Group Europe und Castingshow-Juror. Man herzt sich, schätzt sich, bewundert sich. Dazu gibt es Hummer, Garnelen und Lachs, Ochsenschwanzsuppe und ein Duett vom Kaiserkalb; um das Essen hat sich Michael Käfer gekümmert, auch er ist ein Freund Avrams. Wen man an diesem Abend auch fragt, "den Marcel", den kenne man schon seit Jahrzehnten, heißt es. Und dann sprudeln die Anekdoten.

Es gibt unzählige. Von Avram, der einem täglich mal mehr, mal weniger gute Witze aufs Handy schickt. Von Avram, der Cat Stevens alias Yusuf Islam einmal mit seinem Auto so halsbrecherisch durch Israel gefahren habe, dass der später sagte, er habe erstmals in seinem Leben gebetet. Von Michael Jackson, den Avram als Scheich verkleidete, oder mit dem er in Bangkok einmal hinter der Bühne festsaß, weil die Fans ihr Idol belagerten. Avram trieb damals einen Krankenwagen auf, die Sanitäter fühlten sich geehrt, den "King of Pop" chauffieren zu dürfen, und dann fuhren Avram und Jackson mit Blaulicht ins Hotel.

Avram hat so viele Weltstars auf die Bühne gebracht wie kaum ein anderer, "alle außer Elvis", wie es eine Society-Reporterin formuliert, und das ist zumindest nicht ganz verkehrt. Der Manager hat Konzerte mit Plácido Domingo veranstaltet und mit den Rolling Stones, mit Anna Netrebko und Motörhead, mit Ozzy Osbourne und Guns'n'Roses ebenso wie mit David Hasselhoff und Patrick Lindner. Dabei hat er klein angefangen: 1938 in Rumänien geboren, 1948 nach Israel ausgewandert, mit 14 Jahren mit den Eltern nach Deutschland gekommen, begann er sein Geschäftsleben als Obst- und Teppichhändler. Es folgte ein märchenhafter Höhenflug. Seit einem halben Jahrhundert ist Avram im Musikgeschäft: 1968 gründete er mit Marek Lieberberg die Agentur "Mama Concerts"; die zwei trennten sich später im Streit. Avram verhandle hart, aber man könne sich auf ihn verlassen, sagt am Samstag Klaus-Peter Schulenberg, Chef der Ticketagentur CTS Eventim. Und wenige hätten so gute Einfälle: So habe Avram die ersten Welttourneen organisiert und die Idee gehabt, Tickets dezentral über Computer zu verkaufen, also den Grundstein für Eventim gelegt. Der Musikmanager Ossy Hoppe schenkt dem Jubilar eine Zeichnung, angelehnt an den Comic "Asterix im Morgenland": Sie zeigt Avram, eine Obstschale in der Hand, auf einem fliegenden Teppich über einem AC/DC-Konzert der "Rock or Bust"-Tour von 2015. Für diese Tour organisierte Avram unter anderem das mit mehr als 100 000 Besuchern größte Konzert, das jemals in Österreich gespielt worden sei, heißt es. Ein Ende ist noch nicht vorgesehen. Es gehe ihm sehr gut, sagt Avram am Samstag und strahlt. Mehrere Freunde hätten sich zwar entschuldigt, die Grippe, aber für die gebe er später eben eine zweite Party. Und überhaupt seien alle schon zu seinem 90. Geburtstag im Jahr 2028 eingeladen. Bis dahin hat er viel vor. Für 2018 stehen nun zunächst unter anderem Konzerte mit Eric Clapton im Kalender.