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SZ-Anlayse:Wo das Wohnen zur Last wird

Münchner müssen mehr Geld von ihrem Einkommen für Miete ausgeben als im deutschen Mittel

Von Birgit Kruse und Moritz Zajonz

Hier im Münchner Osten ist die Welt noch in Ordnung, auf den ersten Blick zumindest: Ein- und Mehrfamilienhäuser reihen sich an ruhigen Straßen aneinander, die nach Struwwelpeter, Dornröschen oder Rübezahl benannt sind. Nach Norden hin wird es grün, und einen Baggersee gibt es auch. Doch diese Idylle ist teuer - besonders für alle, die im Postleitzahlengebiet 81739 zur Miete wohnen. Nirgendwo in München ist offenbar die Mietbelastung höher.

Im Mittel geben Mieter in diesem Teil von Ramersdorf-Perlach 33 Prozent ihres Haushaltsnettoeinkommens fürs Wohnen aus. Zu diesem Ergebnis kommt die Umfrage #MeineMiete, an der sich 57 000 Leser der Süddeutschen Zeitung beteiligt haben, mehr als 12 000 von ihnen aus München. Obschon nicht repräsentativ, zeichnet die Umfrage doch ein Bild davon, wie hoch und vor allem auch wie unterschiedlich die Mietbelastung der Münchner ist. Dazu wurde die Bruttokaltmiete, also die Miete mit Nebenkosten, aber ohne Heizkosten, durch das Haushaltsnettoeinkommen geteilt. Um aussagekräftige Werte für jedes Postleitzahlen-Gebiet zu erhalten, wurde der Median berechnet, das ist der Wert, der an der mittleren Stelle steht, wenn man die Zahlen der Größe nach sortiert. Das verhindert, dass Ausreißer das Ergebnis verzerren. Anders als durchschnittliche Quadratmeterpreise zeigt die Mietbelastung, welcher Anteil des Einkommens für Miete aufgewendet wird und wie belastend die Kosten für den Haushalt sind.

Ein Beispiel: Teilnehmer aus Schwabing-West und Schwabing-Freimann (beide mit der Postleitzahl 80801) zahlen in München im Mittel die höchste Miete von etwa 17 Euro. Die mittlere Mietbelastung liegt jedoch mit 30 Prozent unter der im Münchner Südosten. Hier beträgt sie 33 Prozent. Grund sind die unterschiedlichen Einkommen, die den Haushalten monatlich zur Verfügung stehen. So unterschiedlich die Wohngegenden sind: Beide zählen zu denen mit der höchsten Mietbelastung in der Stadt. Sozialwissenschaftler und Immobilienexperten sehen Werte von 30 Prozent und mehr als kritisch, weil nur wenig Geld für weitere Ausgaben bleibt.

Im bundesweiten Mittel geben die Teilnehmer der Umfrage 26 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens für Miete aus, in München sind es 28 Prozent. In 13 der 74 ausgewerteten Münchner Postleitzahlen-Gebiete liegt die mittlere Mietbelastung bei 30 Prozent oder mehr. In drei Gebieten ist sie zwischen 28 und 30 Prozent. In einem Drittel der Gebiete geben die Menschen so viel fürs Wohnen aus wie im stadtweiten Mittel. Im verbleibenden Drittel haben die Umfrageteilnehmer eine Mietbelastung, die unter dem Münchner Mittel liegt. Aus zwei Gebieten gibt es keine verlässlichen Zahlen.

Die mit Abstand niedrigste Mietbelastung, 21 Prozent, gibt es im Postleitzahlengebiet 80935, das in den Stadtteilen Feldmoching-Hasenbergl und Milbertshofen-Am Hart liegt. Ebenfalls vergleichsweise niedrig ist mit 24 Prozent die Mietbelastung für Münchner mit der Postleitzahl 81679, das ist das Villenviertel von Bogenhausen. Das liegt freilich nicht daran, dass hier die Mieten besonders günstig wären. Nirgends in der Stadt ist das Haushaltsnettoeinkommen (im Durchschnitt 5000 Euro pro Monat) so hoch wie hier.

In der nächsten Folge am Dienstag: Die Probleme der Alleinerziehenden. Mehr unter www.sz.de/miete

© SZ vom 16.07.2018
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