bedeckt München 17°

Studentenförderung:Bafög ist eine Katastrophe

In Corona-Zeiten ist diese Unterstützung nötiger denn je. Nur leider kommt sie auch verspäteter denn je

"Es sind mehr Fälle, als wir uns wünschen" vom 6. April:

Das System Bafög war schon immer eine Katastrophe, und auch vor Corona dauerte es zu lang. Als ich in den Siebzigerjahren Bafög beantragte, bekam ich nur den halben Satz, weil mein Vater zuviel verdiente. Aber ich war unehelich, mein Vater weigerte sich, den Rest zuzuzahlen. Es blieb mir nur übrig, es gerichtlich einzuklagen. Als meine Tochter 40 Jahre später ebenfalls Bafög beantragte (drei Mal insgesamt) war es nicht besser. Das erste Mal musste sie die gesamte Summe auf einmal im Folgejahr sofort zurückzahlen, weil sie ein Praxissemester machte und Geld dafür bekam. Beim zweiten Mal beantragten wir Bafög, weil sie ein Auslandssemester in Schweden machte. Wir hatten zu dem Zeitpunkt wirklich wenig Einkommen. Wir stellten den umfangreichen Antrag früh, viele Formulare konnten aber erst nachgereicht werden, als sie in Schweden war. Das Geld kam sechs Monate später an, als meine Tochter schon aus Schweden zurück war: Mickrige 190 Euro - ein Witz für Schweden. Wenn wir ihr das Geld nicht hätten leihen können, wäre es unmöglich gewesen. Meine Tochter wollte nie wieder Bafög beantragen, lieber würde sie arbeiten gehen.

Meine andere Tochter studierte in England, dort stellte sie auch Antrag auf englisches Student Loan - das war möglich ohne Berücksichtigung des Elterneinkommens. Der Antrag war kurz und das Geld war nach vier Wochen da.

Herta Brydon, Erding

© SZ vom 19.04.2021
Zur SZ-Startseite