Stevie Wonder in München:Die Legende singt wieder

Lesezeit: 3 min

Seit 24 Jahren war Stevie Wonder nicht mehr in Deutschland. Bei seinem Konzert in der Münchner Olympiahalle zeigt er, warum er so viele Platten verkauft hat: Er ist ein genialer Musiker.

Beate Wild

Eine Musiklegende ist man oder ist man nicht. Den Status bekommt man zugewiesen, wenn man hart daran gearbeitet hat. In der Regel wird er Bands verliehen, die Großes geleistet, Millionen von Platten verkauft und jede Menge Musikpreise eingesackt haben.

Stevie Wonder in München

Stimme kein bisschen gealtert: Stevie Wonder in München

(Foto: Foto: AFP)

Wenn man so eine Legende ist, ist es unerheblich, ob man ununterbrochen aktiv im Musikgeschäft ist, wie etwa die Rock-Opas von den Rolling Stones, oder sich auf seinen Lorbeeren ausruht. Stevie Wonder hat 20 Jahre lang letztere Variante bevorzugt. Mehr als zwei Jahrzehnte ist er nicht mehr aufgetreten, hat kein nennenswertes Album veröffentlicht.

Doch nun hat er sich dazu entschlossen, auf die Bühne zurückzukehren. Stevie Wonder, die lebende Soullegende, ist wieder auf Tournee. In Deutschland war er seit 24 Jahren nicht mehr, also seit "I just called to say I love you", seinem kommerziellen Höhe-, künstlerisch aber eher Tiefpunkt.

Die Fans sind ganz aus dem Häuschen als er am Donnerstagabend im Münchner Olympiastadion von seiner attraktiven Tochter auf die Bühne gebracht wird. Auf den ersten Blick schaut er aus wie immer. Nach hinten zusammengebundene Rastazöpfchen, schwarze Sonnenbrille. Etwas fülliger ist er geworden, er trägt ein weites schwarzes Hemd, in dem er ein bisschen aussieht wie der Priester einer Gospelgemeinde.

Seine 58 Jahre sieht man dem Sänger nicht an. Eigentlich denkt man ja, dass Stevie Wonder viel älter sein müsste als knapp 60, so alt sind seine Songs schon. Aber kein Wunder, hatte er doch seinen ersten Nummer-Eins-Hit im zarten Alter von 13 Jahren. Damals als "Little Stevie". 1961 begann seine Karriere. Er wurde vom legendären Motown-Chef Berry Gordy unter Vertrag genommen. 1962 nahm er seine erste Platte "A tribute to uncle Ray" auf.

Gemeint war sein musikalisches Vorbild Ray Charles. Seinen ersten Hit landete Wonder mit "Fingertips, Part 2", bei dem er Mundharmonika spielte und sang. Mit der Mundharmonika beginnt er auch sein Konzert. Und er klatscht, um das Publikum zu animieren. Es ist dieses typische Stevie-Wonder-Klatschen. Etwas unbeholfen wie ein kleines Kind schlägt er die Hände zusammen und gibt den Rhythmus vor.

Mehr als einen nostalgischen Abend darf man nicht erwarten. Eine neue Platte hat er nicht mitgebracht. Aber darum geht es nicht. Man ist hier, um den letzten echten Helden des musikalischen Märchens Motown zu bestaunen und vielleicht ein bisschen von der Aura zu erahnen, die dieses amerikanische Soullabel einst umgab.

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