Stellenabbau bei Nokia Siemens Networks:Gewerkschaft kämpft zweigleisig

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Wenn Werner Pohlmann solche Sätze liest, regt er sich auf. Auch er hat seine letzten Arbeitstage bei NSN hinter sich. Er heißt in Wahrheit anders, aber sein Name soll nicht in der Zeitung stehen. "Das hört sich an, als ob wir eine Wahl gehabt hätten. Aber es gab nur die Alternative: Transfergesellschaft oder Kündigung ohne Abfindung", sagt er. Pest oder Cholera. So sieht Pohlmann es.

Das Unternehmen betrachtet es naturgemäß anders. Siemens ist froh, dass der Standort München erhalten bleibt. Auch von NSN ist das inzwischen zu hören. Dabei wollte das Management den Standort zunächst komplett schließen - bis Siemens intervenierte.

Die IG Metall ist ebenfalls zufrieden: "Eine schon beschlossene Standortschließung wurde erfolgreich verhindert", pries die Gewerkschaft die Lösung. Der Preis sei zwar, dass 1600 Mitarbeiter gehen müssten. "Die für sie erkämpften Konditionen allerdings sind deutlich besser als das, was sie bei der ursprünglichen Schließung mit Kündigungen erwartet hätte."

Was die Mitteilung der Gewerkschaft nicht erwähnt, ist, dass sie bei den Konditionen zweigleisig gekämpft hat. Für eigene Mitglieder hat sie Sonderbedingungen erstritten, mit denen diese besser abschneiden als die übrige Belegschaft. So beträgt der Abfindungsbetrag pro Arbeitnehmer ein Jahresgehalt; wer in der Gewerkschaft ist, bekommt 10.000 Euro mehr. Auch die monatlichen Bezüge in der Transfergesellschaft sind höher.

"Die Sonderkonditionen gehen zu Lasten vom Rest", meint Rosenboom. NSN widerspricht. Auch ohne die Gewerkschaftsprivilegien hätte die Firma nicht mehr Jobs erhalten. "Wir haben bestimmte Stellen abgebaut, weil sie nicht mehr zu unserer Strategie passen", sagt eine Sprecherin. In München habe es viele Verwaltungsjobs gegeben und Arbeitsplätze aus dem Festnetzbereich, "die gehören nicht mehr zum Kerngeschäft".

Trotzdem hat die Taktik der IG Metall Unfrieden gesät. Noch mehr entrüstet die Aussortierten aber das Verhalten des Betriebsrates von NSN. Der bekam vom Management die Namenslisten der 1600 Mitarbeiter vorgelegt, die gehen sollen. Solche Listen überprüft ein Betriebsrat normalerweise darauf, ob sie sozial gerecht sind. Das heißt, er schaut, ob Kriterien wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit und Zahl der Kinder berücksichtigt sind und ob nicht diskriminiert wird.

Genau dies ist bei NSN nach Meinung vieler nicht passiert. "Hier war der Selbsterhaltungstrieb des Betriebsrates ausschlaggebend", sagt Rosenboom. Die Arbeitnehmervertreter hätten vor allem geprüft, ob Betriebsräte oder Ersatz-Betriebsräte darauf seien, diese gestrichen - und dann hätten sie die Namenslisten abgenickt.

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