Überraschender Beschluss Seefeld setzt auf Kliniksanierung

Die umstrittenen Pläne für einen Neubau sind vom Tisch, weil das Chirurgische Krankenhaus am jetzigen Standort "mit höchstmöglicher Wahrscheinlichkeit" saniert und erweitert werden kann

Von Christine Setzwein, Seefeld

Im regionalen Grünzug an der Eichenallee in Seefeld wird kein neues Krankenhaus gebaut. Die Generalsanierung und Erweiterung der Chirurgischen Klinik Seefeld ist am jetzigen Standort in der Ortsmitte "mit höchstmöglicher Wahrscheinlichkeit umsetzbar". Das hat der Geschäftsführer der Kreiskrankenhaus Starnberg GmbH, Thomas Weiler, dem Krankenhauszweckverband Seefeld jetzt mitgeteilt. Die Nachricht wurde in der Seefelder Gemeinderatssitzung am Dienstagabend mit Freude und Erleichterung aufgenommen. Der Antrag an den Regionalen Planungsverband (RPV), eine etwa 25 000 Quadratmeter große Fläche für einen Klinikneubau aus dem regionalen Grünzug gegenüber dem Technologierpark nahe der Eichenallee herauszunehmen, wird zurückgezogen.

Dass Grünen-Gemeinderat Robert Benoist einmal voller Begeisterung die Faust hebt, laut "Yes" ruft und die Zuhörer applaudieren, kommt eher selten vor in einer Sitzung. Doch die Aussicht, dass auf einen Krankenhausneubau in freier Natur verzichtet werden kann, dass die Seefelder ihre Klinik behalten und dass der Gemeinderat einstimmig für die Rücknahme des Antrags an den RPV votierte, rief Emotionen hervor. Mir diesem Beschluss ist auch ein zweites Bürgerbegehren vom Tisch.

Die Chirurgische Klinik Seefeld wird generalsaniert und erweitert. Der Streit um einen eventuellen Neubau auf der grünen Wiese ist beendet.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Modernisierung am Standort oder Neubau auf der grünen Wiese - diese Frage hatte die Gemeinde Seefeld in den vergangenen Monaten beschäftigt und geteilt. Die "Bürgerinitiative Eichenallee" (BI) hatte mehr als 1000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen einen Neubau im Landschaftsschutzgebiet gesammelt. Der Gemeinderat lehnte das Begehren als unzulässig ab. Die BI erhob gegen diesen Bescheid Klage vor dem Verwaltungsgericht und arbeitete bereits an einem zweiten Bürgerbegehren. Die Emotionen kochten hoch.

In der Sitzung am Dienstag sprach Robert Schindlbeck (CSU-Fraktion) noch einmal von einer "Diffamierungskampagne gegen Bürgermeister und Gemeinderäte" seitens der BI. "Das ärgert mich." Die BI wiederum weist das in einer Stellungnahme vom Mittwoch zurück. Das sei ein Vorwurf "unter die Gürtellinie", heißt es. "Wir haben die Kommunikation immer sachlich geführt", schreibt Ildiko Gaal-Baier. Die "völlig überraschende Entscheidung", den Antrag an den RPV zurückzuziehen - eine Forderung der BI - wird begrüßt. Freilich glauben die Vertreter der BI, den wahren Grund zu kennen: Die Gemeinde komme damit nur der Ablehnung ihres Antrags durch den RPV zuvor. Was das bereits laufende Klageverfahren angehe, werde Rücksprache mit dem Rechtsanwalt gehalten. Für die Klage und ein zweites Bürgerbegehren hat die BI bereits mehr als 5000 Euro an Spenden gesammelt.

Schlechte Karten

In der Sitzung des Regionalen Planungsverbands (RPV) am 26. September wären die Seefelder mit ihrem Antrag voraussichtlich gescheitert. In der Beschlussvorlage steht:

"Die Gemeinde Seefeld beantragt die Herausnahme von rund 25 000 Quadratmetern aus dem regionalen Grünzug zwischen Seefeld und Hechendorf in der Nähe der Eichenallee. Die Fläche würde nur dann in Anspruch genommen, sofern sie als Standort für einen gegebenenfalls erforderlich werdenden Neubau der Chirurgischen Klinik Seefeld herangezogen werden müsste. Dies wäre nur dann der Fall, wenn eine Generalsanierung am bisherigen Standort nicht möglich sein sollte." Die Antwort des Planungsverbands: "Eine zweckgebundene Herausnahme aus dem regionalen Grünzug ist nicht möglich. Es wird vorgeschlagen, falls der Flächenbedarf tatsächlich besteht, dann zeitnah eine Lösung zu suchen."

Entschiedenen Einspruch hat auch der Landesbund für Vogelschutz, Kreisgruppe Starnberg, gegen die Herausnahme der Fläche eingelegt. Sie grenze an ein FFH-Gebiet an und liege im Landschaftsschutzgebiet; die Eichenallee an der St 2068 sei außerdem eine der längsten und schönsten in Europa und außerdem in die Denkmalliste eingetragen. Der RPV dazu: "Auch die Einwände des Landesbund für Vogelschutz sprechen gegen eine von der Gemeinde Seefeld beantragte ,vorsorgliche' Herausnahme einer Fläche aus dem regionalen Grünzug." csn

Ihren Antrag, weitere Standorte für einen Klinikneubau in Seefeld zu untersuchen, zog die SPD am Dienstag zurück. Trotzdem war einigen Gemeinderäten wegen des "Restrisikos" nicht ganz wohl bei der Sache. Reicht der Platz für die Erweiterung? Spielt das Ministerium mit, sollte die Generalsanierung und Erweiterung teuer werden als ein Neubau? Bürgermeister Wolfram Gum war guten Mutes: "Wir müssen kein neues Grundstück kaufen, und die Erschließung ist auch schon da."

Ein "gewisses Restrisiko" will Thomas Weiler dennoch nicht ausschließen. Aber die Signale aus dem Ministerium seien "positiv", sagte er am Mittwoch. Die Grundzüge des Raum- und Funktionsprogramms lägen vor, die Planer gingen davon aus, dass es am bisherigen Standort realisierbar sei. "Mir geht es darum, dass es weitergeht, dass wir schnell eine gute Lösung finden", sagte er. Landrat Karl Roth sagte am Mittwoch, er sei froh über die Entwicklung der Seefelder. "Jetzt ist der Druck weg." Freilich: Die Anlieger der Klinik müssten sich auf eine lange Bauphase, Baulärm- und Dreck einstellen. Bei geplanten 30 Betten mehr werde es auch mehr Patienten, Besucher und Verkehr geben.

Ein paar Eckpfeiler der künftigen Klinik Seefeld waren in der Gilchinger Gemeinderatssitzung - Gilching ist Mitglied im Zweckverband - am Dienstag zu erfahren. Wie Bürgermeister Manfred Walter bekannt gab, sollen 15 Betten von Starnberg nach Seefeld verlagert werden, es solle in Seefeld eine neue Fachabteilung "Innere Medizin" geben. Die Chirurgische Klinik, die mittlerweile zur Starnberger GmbH gehört, sei momentan zu 70 Prozent ausgelastet. Das Defizit 2017 werde sich auf 1,2 Millionen Euro belaufen, 2018 aber nur noch auf 800 000 Euro.