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Tutzing:Die neue Ausgewogenheit

Im Gemeinderat Tutzing sind künftig neun Gruppierungen vertreten, die Freien Wähler und die ÖDP ziehen zahlenmäßig fast gleich mit der CSU. Beste Voraussetzungen also für eine effektive Zusammenarbeit.

Kommunalwahl 2014

Politisch interessiert: Klosterpriorin Hildegard Jansing bei ihrer Wahl in Tutzing. Foto: Fuchs

(Foto: STA Franz X. Fuchs)

TutzingAuf den ersten Blick hat sich wenig getan bei den großen Fraktionen, aber der Eindruck täuscht. Sollte Bürgermeisterkandidat Rudolf Krug (ÖDP, Freie Wähler) seinen großen Vorsprung bis zur Stichwahl halten können, wären die Machtverhältnisse im neu gewählten Tutzinger Gemeinderat so austariert wie noch nie. FW und ÖDP könnten dann rein zahlenmäßig mit den stagnierenden Christsozialen mithalten. Wobei die CSU noch einen Trumpf im Ärmel hat: Franz Matheis von der UWG (Unabhängige Wählergemeinschaft Traubing), der in der Vergangenheit in aller Regel mit der Union gestimmt hat. Trotzdem wäre das eine Konstellation, in der ein neuer Rathauschef viel bewirken könnte. Zumal mit neun Gruppierungen auch für Vielfalt gesorgt ist.

Klare Verlierer sind diesmal die Gewinner von 2008, die Sozialdemokraten. Vor sechs Jahren hatte die SPD, die damals den einstigen Hoffnungsträgers und späteren Bürgermeisters Stephan Wanner (parteifrei) unterstützte, drei Mandate errungen, jetzt schrumpft sie zur Einzelveranstaltung. Und die neue Tutzinger Liste, die vier, fünf Bewerber ins Gremium schicken wollte? Sie muss am Ende doch auf dem Boden bleiben und bekommt nur einen Kandidaten durch, den Unternehmer Wolfgang Behrens-Ramberg. Alles in allem wird es im Gremium sieben neue Gesichter geben, wobei Toni Aigner (FW) ein Comeback feiert. Der pensionierte Lehrer und Heimatforscher hatte dem Gemeinderat bereits 18 Jahre lang angehört und war für die FW zweimal in den Wahlkampf ums Bürgermeisteramt gezogen. Der abgewählte Wanner ist gar nicht mehr im Gremium vertreten. Er hatte einzig für das Amt des Bürgermeisters kandidiert.

Dass die FW und die ÖDP gemeinsam stark sind, zeigt sich schon an den Prozentzahlen. Die zwei Fraktionen kommen insgesamt auf 30,02 Prozent, wobei die FW den größeren Anteil an diesem Ergebnis haben (18,22 Prozent). Die ehemals so mächtige CSU schafft nur 2,6 Prozent mehr - sie liegt bei 32,62 Prozent. Dabei hatte der CSU-Ortsvorsitzende Thomas Parstorfer unter dem Eindruck der Landtagswahl noch die Parole "Zurück zum Normalzustand" ausgegeben. Der Mann war zu optimistisch. Bei den Einzelstimmen punkten die Freien ebenfalls. Ortschefin Marlene Greinwald vereint 3228 Voten auf sich. Sie ist damit Stimmenkönigin - weit vor den Bürgermeisterkandidaten Krug (2791) und Stefanie von Winning (2641).

In der Besetzung der Fraktionen ändert sich wenig. Offenbar sind die Wähler der Ansicht, dass die bisherigen Gemeinderäte keinen schlechten Job gemacht haben. Für die CSU treten bis auf Brigitte Grande die bisherigen Mandatsträger an, auch der frühere Ortschef Ernst Lindl wird von Platz neun auf Position fünf vorgewählt. Nur wenn Winning das Kunststück gelingen sollte, Krug in der Stichwahl zu überflügeln, würde noch ein weiterer Neuling einziehen: der Starnberger Polizeichef a.D., Norbert Reller. Hinter ihm landet der junge dynamische Claus Piesch. Auch für Fritz Häring, den fernsehbekannten Chef des Midgardhauses, reicht es nicht. Bei den FW kommt einzig Toni Aigner zum bewährten Trio hinzu. Wolfgang Marchner (Bürger für Tutzing), ist auch diesmal dabei. Und die FDP ist mit ihrem neuen Ortschef Hellmut Kirchner vertreten. Die Grünen ziehen mit zwei Bewerbern ein: dem Landratskandidaten Bernd Pfitzner und der intern umstrittenen Christine Nimbach.

CSU: Stefanie von Winning, Peter Stich, Thomas von Mitschke-Collande, Thomas Parstorfer, Ernst Lindl, Brigitte Grande, Elisabeth Dörrenberg. Freie Wähler: Marlene Greinwald, Stefan Feldhütter, Heinrich Reiter, Toni Aigner. ÖDP: Rudolf Krug, Georg Schuster. Grüne: Bernd Pfitzner, Christine Nimbach. Tutzinger Liste: Wolfgang Behrens-Ramberg. UWG: Franz Matheis. SPD: Renate Geiger. Bürger für Tutzing: Wolfgang Marchner. FDP: Hellmut Kirchner

© SZ vom 18.03.2014
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