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Starnberg:Taktik beim Tanken

Taxifahrer und Fahrlehrer reagieren auf die hohen Spritpreise mit unterschiedlichen Methoden. An der Zapfsäule können Minuten entscheidend sein.

Benzin ist so teuer wie noch nie. Der Preis nähert sich der Marke von 1,70 Euro pro Liter, teilte der ADAC am Dienstag mit. Besonders Unternehmer, die unmittelbar betroffen sind, leiden darunter, zum Beispiel die Starnberger Taxiunternehmen, Fahrschulen oder die Mobile Krankenpflege Tutzing. Manche versuchen, die hohen Benzinkosten durch langsames Fahren zu kompensieren oder entwickeln ihre eigenen Taktiken beim Tanken.

Benzinpreise

Die Benzinpreise in Deutschland haben den höchsten Stand aller Zeiten erreicht. Foto: Peter Kneffel/dpa

(Foto: dpa)

Das Auf und Ab der Spritpreise ist schwierig. Wir müssen eben schauen wo es billiger ist", sagt Detlef Sommerfeldt, Inhaber eines Taxiunternehmens in der Kreisstadt. So betragen die Preisunterschiede zwischen München und Starnberg zeitweise bis zu 14 Cent. "Die gehen wohl davon aus, dass die Starnberger sich das leisten können", vermutet der Unternehmer. Auch die Tageszeit kann eine Rolle spielen: Ein anderer Taxifahrer berichtet, dass das Tanken abends zwischen 18 und 21 Uhr am günstigsten ist und die Preise danach aus unerklärlichen Gründen wieder steigen. "Letztens war ich beim Tanken und nachdem ich bezahlt hatte, sagte mir der Tankwart, dass es in zwei Minuten wieder billiger wird", erzählt der Fahrer. Seiner Meinung nach handle es sich hierbei um eine Art "Verschleierungstaktik", die darauf abzielt, die Fahrer langsam an die hohen Preise zu gewöhnen.

Andere lassen sich von den Schwankungen nicht irritieren. Die Benzinausgaben der Ambulanten Krankenpflege Tutzing beliefen sich schon im vergangenen Jahr auf 3500 Euro. Der Unterschied "tut richtig weh", sagt der Leiter der Einrichtung, Armin Heil. Trotzdem sollen die Fahrer der 19 Autos "tanken, wenn der Tank leer gefahren ist, alles andere ist zu aufwändig". Schließlich bestehe ihre Hauptaufgabe in der Krankenpflege. Die gestiegenen Kosten würden dem Verein nicht bezahlt, daher müssen sie die Mehrausgaben durch Spenden hereinholen. Auf lange Sicht will er sich von den Ölpreisen unabhängig machen: Heil wünscht sich, in der Zukunft auf Elektroautos umsteigen zu können. Momentan sei die Anschaffung aber zu teuer.

Der Starnberger Fahrschulchef Stephan Schubert will in Zukunft auf Gasautos setzen, weil die Gaspreise viel niedriger seien. Er hat begonnen, Autos, die viel Sprit verbrauchen, durch sparsamere Modelle zu ersetzen. Noch versucht er, die Preise der Fahrstunden zu halten, er ist sich aber nicht sicher, ob das auf Dauer möglich ist. (Wirtschaft)

© SZ vom 21.03.2012

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