Seefeld Bürgermeister verteidigt Klinikpläne

Gemeindechef Wolfram Gum und Dritter Bürgermeister Oswald Gasser halten einen Alternativstandort an der Eichenallee für notwendig und werfen Bürgerinitiative Angstmacherei vor.

Von Wolfgang Prochaska, Seefeld

"Viel Unrichtiges schwirrt leider umher, daher muss jetzt offen gesprochen und teilweise berichtigt werden." Der Seefelder Rathauschef Wolfram Gum hat sich am Donnerstag zusammen mit dem Dritten Bürgermeister Oswald Gasser über den Erhalt der Klinik und zum angestrebten Bürgerbegehren dezidiert geäußert. Die beiden übten in diesem Zusammenhang auch Kritik an der Bürgerinitiative Eichenallee, die nach Ansicht von Gum und Gasser "Ängste erzeuge". Während Gasser gar von "Fundamentalisten" sprach, kritisierte Gum die Haltung der Initiatoren, die nach seiner Ansicht eine Klinik in Seefeld lieber aufgeben würden, als auf einem Grundstück in der Nähe der Eichenallee zu bauen. Das empfinde er als "sehr unfair", auch gegenüber all denen, die bislang von dem Krankenhaus profitiert hätten.

Kann die Klinik Seefeld an ihrem alten Standort in der Ortsmitte der Gemeinde saniert und erweitert werden? Das ist die große Frage. Gerade prüfen das Fachleute.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Gum unterstrich noch einmal, dass er für den alten Klinikstandort an der Seefelder Hauptstraße sei. "Alle Verantwortlichen wollen den bisherigen Standort erhalten und dort bauen und sanieren", sagte der Gemeindechef. Er betonte auch die Bedeutung der Klinik: Das Krankenhaus sei mit seinen 150 Stellen ein wichtiger Arbeitgeber und wichtig für die Infrastruktur im westlichen Landkreis Starnberg. Er erinnerte zudem an den medizinischen Versorgungsauftrag. Allerdings sei der Erhalt nur möglich, wenn das Gebäude saniert und erweitert werden kann, um es wirtschaftlich führen zu können. Derzeit wird dies von Fachplanern geprüft; die Ergebnisse sollen spätestens im Herbst vorliegen, heißt es. Sollte sich aber herausstellen, dass die Generalsanierung nicht möglich ist, will Gum nicht mit leeren Händen dastehen. Daher habe er als "verantwortlicher Politiker" zusammen mit dem Gemeinderat die Herausnahme eines Grundstücks in der Nähe der Eichenallee aus dem regionalen Grünzug gestimmt. "Haben wir keine Alternative, wird die fast 140-jährige Geschichte der Klinik Seefeld zu Ende gehen." Er halte dies für "eine Katastrophe". Dabei erinnerte er daran, wie "existenziell das Haus" mit seinen etwa 3500 Operationen im Jahr und unzähligen Notfällen für seine Gemeinde sei. "Es ist meine Aufgabe als Bürgermeister, eine zukunftsweisende Lösung zu suchen, fall nicht saniert werden kann." Politisch scheint die Klinik weiterhin gewollt zu sein. Laut Gum hat der Freistaat 50 Millionen zugesagt und der Landkreis 20 Millionen Euro.

Will die Seefelder Klinik retten, auch wenn sie auf einem anderen Standort an der Eichenallee gebaut werden müsste: Wolfram Gum, Bürgermeister der Gemeinde. Auf die Bürgerinitiative ist er nicht gut zu sprechen.

(Foto: Nila Thiel)

Die Sache laufe auf eine Abwägung hinaus: Erhalt der Landschaft oder Erhalt der Gesundheitsversorgung vor Ort. Dabei machten die beiden Bürgermeister keinen Hehl daraus, dass die vorgesehene Fläche für einen eventuellen Neubau an der Eichenallee nicht jene besondere Landschaftsschutzqualität habe, wie von den Umwelt- und Naturschützern gerne behauptet werde. Dort sei schon immer Landwirtschaft betrieben worden, jetzt noch intensiver, da Mais für Biogasanlagen angebaut werde, was entsprechend dem Boden belaste. Dass es zur Versiegelung des Bodens kommen werde, bestritten sie nicht. Gum wies aber daraufhin, dass der Grünzug in Oberpfaffenhofen und in Gilching und möglicherweise bald durch das Gautinger Gewerbegebiet weiter unterbrochen werde. Über die Größe, die ein Klinikneubau an der Eichenallee haben könnte, hat sich der Seefelder Bürgermeister auch schon Gedanken gemacht. Auf 20 000 Quadratmeter schätze er die Fläche, einschließlich Parkplätzen, einem Park und zwei Nebengebäuden.

Deutliche Worte fand er, als es um die Kritik am Gebaren des Gemeinderats ging. "Ich finde das Misstrauen zum Kotzen." Im Gremium säßen Leute, die sich nahezu unentgeltlich für den Ort einsetzten. "Die wollen Seefeld nicht zerstören." Im Übrigen hatte er einen Tipp für die Kritiker bereit: In drei Jahren sollten sich diese zur Wahl für den Gemeinderat stellen. Die Aufregung um alles könnte aber schnell vorbei sein, wenn die alte Klinik grundsaniert werden kann.