Schnelles Internet:Datenautobahn für das Fünfseenland

Lesezeit: 2 min

Schnelles Internet - im Fünfseenland ist das bisher Wunschdenken. Ein Pilotprojekt soll nun allen Gemeinden Breitband-Verbindungen ermöglichen.

Wolfgang Prochaska

Wenn Landrat Karl Roth von seinem Wohnort Andechs aus Fotos online verschicken will, muss er sich in Geduld üben. Es dauert ziemlich lange, bis die Daten zum Adressaten gelangen. Andechs gehört zu den vielen Gemeinden im Landkreis, die noch keine schnelle Datenleitung - sprich Glasfasernetz - haben. Die schlechte Breitbandversorgung, die für viele Selbständige und Betriebe in Zeiten des Internets existenzbedrohend ist, soll mit einer von den Gemeinden, Landkreis und den Unternehmen getragenen Initiative bald der Vergangenheit angehören. Bei dem Pilotprojekt handelt es sich um das erste in Oberbayern, es ist wegen seines Umfangs vor allem erst einmal ein Kraftakt.

DSL-Anschluss

Schnelles Internet - im Fünfseenland ist das Wunschdenken. Jetzt soll eine kommunale Breitband-Solidargemeinschaft das Problem lösen.

(Foto: dpa)

Denn alle Gemeinden sollen gleichzeitig mit Glasfaserleitungen versorgt werden. Dafür wurde jetzt eine Studie in Auftrag gegeben, die sich mit der Umsetzung und der Finanzierung befasst. Letztere interessiert vor allem die Bürgermeister: So kostet beispielsweise die Versorgung von Wörthsee mit seinen Ortsteilen Etterschlag und Walchstadt geschätzte 300.000 Euro. Nicht gerade wenig. Der Förderzuschuss vom Freistaat beträgt 100.000 Euro.

Um die strapazierten Gemeindehaushalte nicht allzu sehr zu belasten, so die Idee, soll eine kommunale Breitband-Solidargemeinschaft gebildet werden. Darin können die Kommunen anteilsmäßig für die Finanzierung des Projekts einzahlen. Bei der Vorstellung des Projekts am Donnerstag im Landratsamt zeigten sich Landrat Roth und Wirtschaftsförderer Christoph Winkelkötter von der Wichtigkeit der Aufgabe vor allem für die Wirtschaft überzeugt. Von "Standortvorteil" war die Rede. Bis Ende nächsten Jahres schon soll die Glasfaser-Versorgung stehen.

Das Ingenieurbüro IK-T, das auf Kommunikationsnetze spezialisiert ist, hilft den Starnbergern bei der Umsetzung. Es fertigt auch die Studie an und hilft bei der Ausschreibung, die alle Gemeinden gleichzeitig rausgeben. Davon verspricht sich IK-T Geschäftsführer Karl Manstorfer den Effekt, dass möglichst viele Netzversorger Angebote abgeben, was mehr Wettbewerb bringen soll. Um die Betriebe schnell mit Datenautobahnen zu versorgen, kommt als "Zwischenschritt" der Richtfunk zum Zuge.

Diese Lösung, das deutete sich bei der Präsentation an, ist allerdings politisch hoch brisant: Denn für diese Technik müssen entweder neue Funkmasten oder neue Antennen auf vorhandenen Anlagen installiert werden. Angesichts der ablehnenden Haltung großer Teile der Bevölkerung gegenüber Funkmasten vor der Haustür liegt noch viel Aufklärungsarbeit vor Winkelkötter und Roth. Im Gegensatz zu Mobilfunk arbeite der Richtfunk mit gebündelter Strahlung, so das Argument.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema