Possenhofen Schnitt für Schnitt

Durch Baumfällungen soll der Blick vom Starnberger See auf das Schloss Possenhofen besser werden. Behörden und Privateigentümer stehen dem Vorstoß aufgeschlossen gegenüber.

Sylvia Böhm-Haimerl

Bei den Bäumen, die die Sicht auf das Schloss Possenhofen verstellen, handelt es sich vor allem um Anflug aus den vergangenen 30 Jahren. Diese sollen nun gefällt werden. Foto: Fuchs

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

- Das Schloss Possenhofen gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten am Starnberger See - doch seit Jahren ist die Sicht auf das geschichtsträchtige Gebäude beeinträchtigt. Das soll sich nun ändern. Im Dezember hat der Gemeinderat einstimmig einen Antrag von CSU-Gemeinderat Dieter Link befürwortet, wonach der Blick vom See zum Schloss frei geschnitten werden soll. Nach Möglichkeit sollen die Fällarbeiten noch in den Wintermonaten beginnen.

In der Schlossanlage aus dem 16. Jahrhundert hat die österreichische Kaiserin Elisabeth ihre Jugendjahre verbracht - sie ist deshalb ein Anziehungspunkt für Sisi-Fans. Doch vom Schiff aus können Passagiere nur wenige Sekunden lang auf das Schloss blicken. Das Gebäude selbst kann nicht besichtigt werden, da es seit mehr als 50 Jahren im Privatbesitz ist; seit 1984 befinden sich dort exklusive Eigentumswohnungen. Im Rahmen des damaligen Bebauungsplanverfahrens zur Umwandlung in Eigentumswohnungen war ein Grünordnungsplan aufgestellt worden, in dem unter anderem vier Sichtachsen vom Schloss aus in alle Blickrichtungen auf den See festgeschrieben wurden.

Der Blick Richtung Süden und Norden kann leicht frei geschnitten werden, auch wenn dabei private Badegrundstücke betroffen sind. Laut Link müssten nur Hecken und Büsche zurückgeschnitten werden. Bei den Bäumen, die gefällt werden müssen, handele es sich um den Anflug aus den vergangenen 30 Jahren. Wie Link betonte, stehen dem Vorstoß die zuständigen Behörden und die Privateigentümer der betroffenen Grundstücke aufgeschlossen gegenüber. Der CSU-Gemeinderat hatte mit den Eigentümern bereits im Vorfeld seines Antrags gesprochen. Angeregt wurde dieser von Stefanie Leiter, die Mitglied der privaten Eigentümergemeinschaft Schloss Possenhofen ist. "Ich bin glücklich darüber, dass unsere Initiative auf eine derart positive Resonanz bei allen Beteiligten gestoßen ist", sagte sie. Die Eigentümergemeinschaft hat schon viel in die Erhaltung des Baudenkmals investiert. Im vergangenen Jahr wurde die Fassade renoviert.

Es sei erfreulich, wenn die Passagiere der Seenschifffahrt künftig wieder einen ausgiebigen Blick auf dieses wunderbare Ensemble werfen könnten, sagte Leiter. Die Schloss-Mitbesitzerin hat sich intensiv mit der Geschichte des Gebäudes befasst. Sie führt die langjährige Fehlentwicklung darauf zurück, dass der Gemeinde lange nicht bewusst gewesen sei, "welches Juwel sie hat". Die Sichtachsen haben ihrer Ansicht nach nur zuwachsen können, weil irrtümlich angenommen worden sei, dass das Grundstück zum Schloss gehöre. Doch im privaten Schlosspark seien nur sechs kleine Bäume betroffen, die durch Anflug gewachsen seien. Laut Leiter stehen 90 Prozent der Bäume, die gefällt werden müssen, auf Gemeindegrund. "Und wenn die nicht bald gefällt werden, fallen sie unter die Baumschutzverordnung." "Man muss die Dinge angehen, und wir wollen sie angehen", sagte Pöckings Dritte Bürgermeisterin Ameli Erhard. Nach ihren Angaben übernimmt die Gemeinde die Kosten für die Fäll-Aktion und bezahlt einen bereits beauftragten Landschaftsplaner.

Da im Grünordnungsplan keine Angaben zu den Maßen enthalten sind, müsse ein Konzept erstellt werden, in dem die Bäume einzeln verzeichnet sind. Doch bevor die Gemeinde loslegen kann, sind laut Erhard das einstimmige Votum der Schlossbesitzer sowie die Zusage der Stadt München notwendig. Link indes ist davon überzeugt, dass nur der mittlere Bereich des Sichtdreiecks zum See freigeschnitten werden müsste. "Das wäre der wunderschönste Blick." Verhandlungen mit der Landeshauptstadt als Eigentümerin des Badegeländes Paradies hält er für nicht notwendig. Denn das die 18 000 Quadratmeter große Areal zwischen Schloss und See gehört der Gemeinde. Sie hatte sich das Gelände bei den Verhandlungen zur Umwandlung in Eigentumswohnungen gesichert.