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Ortsumgehung:Späte Einsicht

Nur an die Kröten gedacht: Wer die Weßlinger Ortsumfahrung queren will, muss einen Umweg nehmen oder über die Leitplanke klettern.

(Foto: Arlet Ulfers)

Die Weßlinger Umfahrung soll eine Unterführung für Radler und Wanderer bekommen

Von Patrizia Steipe

Weßling - Entweder nehmen die Radler und Wanderer an der Mitterwiese einen 120 Meter langen Umweg in Kauf, oder sie springen über die Leitplanke, um die Staatsstraße zu überqueren. Die Ortsumfahrung Weßling unterbricht seit 2016 den beliebten Forstweg nach Wörthsee. Es fehlt eine Querungshilfe. Wer trotzdem auf die andere Seite gelangen und dabei nicht über die Leitschiene klettern möchte, muss einen Umweg machen und auf einem schmalen Weg entlang der Umfahrungsstraße rund 120 Meter nach rechts marschieren. Dort kann man innerhalb der Abtrennung die Straße überqueren. "Diese Situation ist sehr gefährlich und sorgt ständig für Beschwerden", sagte Bürgermeister Michael Sturm in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Jetzt soll gemeinsam mit dem Straßenbauamt Weilheim und der Gemeinde Wörthsee mit einer Unterführung nachgebessert werden.

"Zwei Krötendurchgänge übereinandergestellt hätten fast schon gereicht", sagte Sturm. Denn während für die Amphibien für rund eine Million Euro 42 Durchlässe entlang der 3,3 Kilometer langen Trasse geschaffen wurden, sind die Menschen, die queren wollen, vergessen worden. Der private Forstweg ist allerdings nicht gewidmet, deswegen bestand damals keine rechtliche Pflicht, ihn zu erhalten, erklärte Sturm. Sobald die Gemeinde festgelegt hat, dass der Weg dauerhaft öffentlich genutzt werden kann, könnte die Unterführung sogar vom Freistaat gefördert werden. Zwar liegt die Straße auf Weßlinger Flur, aber die Kosten sollen zwischen Wörthsee und Weßling aufgeteilt werden. Ende 2019 war in einem gemeinsamen Gespräch vereinbart worden, die Unterführung über kommunale Sonderbaulast zu realisieren. Das Straßenbauamt sagte eine Unterstützung bei der Antragsstellung und der technischen Planung zu. Einstimmig beschloss der Gemeinderat jetzt, dass die Weßlinger Verwaltung ermittelt, wie teuer das Ganze wird.

Dabei hätte man die Sache kostengünstig und problemlos während des Planfeststellungsverfahrens regeln können, ärgert sich Sturm. Die an diesem Verfahren beteiligten Gremien hätten sich jedoch gescheut, den Plan nachzubesssern. "Angst" hätten alle gehabt, dass dadurch das ganze Prozedere gefährdet werden könnte. "Jetzt haben wir die denkbar unglücklichste Lösung, die so nicht tragbar ist", bedauerte Sturm. Und Claus Angerbauer (SPD) schüttelte den Kopf darüber, dass damals die Sicherheit von Radlern und Wanderern keine Rolle gespielt habe.

© SZ vom 09.03.2021
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