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Mitten in Starnberg:Im Untergrund geht's heiß her

Oben klebrig, unten schwarz: Der Starnberger Tunnelkuchen.

(Foto: privat/oh)

Von Umfahrungsplätzchen und Tunnelkuchen

Ein Geburtstag ist ja immer so eine Sache: In jungen Jahren kann man es kaum erwarten, ein Jahr älter zu werden. In fortgeschrittenem Alter dagegen ist man immer wieder erschrocken, wie schnell die Zeit doch vergeht. Zumal die Geschenke, die man bekommt, auch immer unbrauchbarer werden. Aber wie soll man betagtere Menschen, die ohnehin schon nahezu alles haben, denn auch beglücken? Am besten mit etwas Originellem, Selbstgebasteltem - oder einer Schlemmerei aus eigener Herstellung mit witziger Botschaft.

Ähnlich müssen die Kinder von Christiane Falk gedacht haben. Die aufrechte Starnberger SPD-Stadträtin, die noch nie ein Blatt vor den Mund genommen hat, wenn es um unbequeme Wahrheiten geht, feierte unlängst ihren "runden Geburtstag". Im Stadtrat kündigte sie daher am Montag ungeschönt und in eigener Sache an, dass sie das übrige Gremium, Zuhörer und Pressevertreter anlässlich ihres Ehrentages herzlich einlädt zum Verzehr eines "Tunnelkuchens", den ihre Kinder gebacken hatten. Die hatten mit großer Mühe auf teigiger Grundmasse und grünem Persipan einen Tunnel nebst Autos und Ortsschild kreiert.

Das fanden die meisten Kolleginnen und Kollegen dann doch ziemlich witzig - mal abgesehen von den Tunnelgegnern, die das freundliche Angebot zur Verköstigung recht humorlos ignorierten. Zwar hatten sie selbst mal anlässlich einer denkwürdigen Aktion zum Bau der Westumfahrung "Umfahrungsplätzchen" kredenzt. Doch der Kuchen ließ sie kalt. Dabei hätte ein Geschmackstest durchaus die Steilvorlage zu substanziellerer Kritik bilden können.

Denn zugegebenermaßen schmeckte der trockene Kuchen mit leicht bitterem Abgang am besten vor allem zwischen angebranntem Boden und klebriger Oberfläche - untrügliches Indiz dafür, dass es im Starnberger Untergrund heiß her geht. Der stilisierte Tunnel selbst blieb unangetastet. Und das rote Auto, das doch etwas für den Feuerwehrreferenten gewesen wäre, wollte Falk lieber für sich behalten. Geht es nach Vize-Bürgermeister Klaus Rieskamp, könnte im Stadtrat demnächst eine kulinarische Schlemmerorgie folgen: Er regte einen "Umfahrungskuchen" an, der allerdings sehr viel länger sein müsse als der Tunnelkuchen. Unklar ist bislang nur, wer den backen soll.