bedeckt München 29°

Mitten in Starnberg:Der billigste Parkplatz der Stadt

...soll teurer werden. Das geht natürlich nicht ohne Protest vonstatten

Glosse von Peter Haacke

Wer am lautesten schreit, bringt es oft weiter. Dieses Grundprinzip menschlicher Kommunikation entdecken Säuglinge bereits an der Mutterbrust, hilft aber auch in späteren Jahren bei entscheidenden Dingen des Lebens - zum Beispiel bei Preisverhandlungen für einen Autostellplatz. Die Mitglieder des Starnberger Haupt- und Finanzausschusses jedenfalls standen jüngst vor der Aufgabe, über ein durchaus berechtigtes Ansinnen des städtischen Personalrats zu befinden: Gefragt war eine Entscheidung mit Augenmaß in pandemiegeplagten Zeiten - also irgendwo zwischen nicht zuviel und doch zuwenig.

Den Anlass für eine bemerkenswert kurze Debatte des sonst so redseligen Gremiums bot ein Schreiben des Personalrats, der immerhin 380 Angestellte vertritt. Darin baten die Unterzeichner, die nächsten fünf Jahre auf eine Erhöhung der monatlichen Gebühren für die insgesamt 51 städtischen Tiefgaragenparkplätze zu verzichten. Die Argumentation war schlüssig: Die Mitarbeiter hätten im Corona-Jahr 2020 "einige Rückstellungen machen" müssen: Betriebsausflug, Sommerfest, Kirchweihessen oder Weihnachtsfeier fielen aus. Fortbildungen wurden gestrichen, Stellen nicht nachbesetzt und auch der Fahrtkostenzuschuss entfiel. "Ein normales, kollegiales Arbeiten ist derzeit auch nicht möglich", heißt es weiter. Büros dürften nur mit einer Person oder Maske besetzt werden, von Home-Office ganz zu schweigen. Kurzum: Die Angestellten hatten es nicht leicht. Deshalb möge die Stadt die geplante Erhöhung der monatlichen Parkgebühr von 22,50 auf 25 Euro - in Summe also 30 Euro im Jahr mehr - und die 1530 Euro pro Jahr für die Stadt verzichten.

Manch einer mag nun hellhörig geworden sein, denn Stellplätze in Starnberg kosten derzeit 70 bis 80 Euro pro Monat. Doch die Stadt beteiligt sich mit 69,51 Prozent, damit kostet so ein Parkplatz einen Euro pro Tag. Dafür bekommt man in der Innenstadt gerade mal eine Stunde Parkzeit, am Bahnhof See kostet's gar 2,50 Euro. Doch Personal ist wertvoll und muss gepflegt werden. Angesichts sehr leerer Kassen rang sich der Ausschuss zu einem Kompromiss durch: Sollte Parken teurer werden, bliebe den Nutzern eben weiter ihr Anteil von 30,49 Prozent. Und 2023 wird erneut über die Sache gesprochen.

© SZ vom 23.06.2021
Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB