Mitten in Starnberg:Allerbeste Freunde

Wenn es um weitreichende Entscheidungen geht, sind sich Stadtrat und Landratsamt nur selten einig. Aber wer weiß: Vielleicht ändert sich das ja mal

Glosse von Peter Haacke

Dass es zuweilen knirscht im Verhältnis zwischen der Stadt Starnberg und dem Landratsamt mit seinen vielen Behörden, ist kein Geheimnis. Da beschließen etwa die Stadträte: Dieses oder jene Haus, was da gebaut werden soll, gefällt uns nicht so, weil es nicht den Vorgaben entspricht und ohnehin nicht in die Landschaft passt. Und dann kommt das Landratsamt daher und sagt: Nö, nö, liebe Stadträtinnen und Stadträte, alles gut. Freilich geht das auch andersherum: Da sagt die Stadtverwaltung etwa Ja und Amen zu einem Kunstwerk in der Stadt, das irgendwie aussieht wie eine pinke Fußballtribüne. Doch dann kommt's Landratsamt daher und sagt: Nö, nö, liebe Leut', Wiege von Starnberg, alles schön und gut - aber so geht's nicht.

Dieses Hin und Her hat durchaus Tradition. Man erinnere sich etwa an die Posse um das Söckinger Ortsschild in Richtung Perchting: Gefühlt mindestens fünf Mal wurde es erst hier, dann da und wieder zurückversetzt. Oder die Sache mit dem Radlstreifen in der Perchaer Seestraße: Erst draufgemalt, dann über- und wieder neu gemalt - was für ein Hin und Her.

Und nun geht's munter weiter auf der Hanfelder Straße in Richtung Waldkreisel: 2018 hatte der Stadtrat auf der gesamten Strecke vom Ortsschild an Tempo 70 festgelegt und auch sogleich Schilder aufgestellt. Doch dann kam das Landratsamt daher und - na ja, Sie wissen schon . . .: Abgesehen von einer Teilstrecke zwischen Taubenhüll und Kreisel - da, wo die Straße ohnehin nicht mehr so ganz okay war - sollte weiterhin Tempo 100 gelten. Amtlich begründet sich die Ablehnung im Jahr 2020 so: "Im Ergebnis wurde die Unzulässigkeit der Anordnung festgestellt, da kein Anordnungsgrund vorliegt, der eine durchgängige Geschwindigkeitsbeschränkung des gesamten Bereichs rechtfertigt." Das sah seinerzeit auch die Polizei so: Zwischen Starnberger Kreisel und der Abfahrt Hanfeld Nord darf also weiterhin Gas gegeben werden. Doch erst im Juni 2021 baute der Betriebshof die Schilder wieder ab.

Das letzte Wort in dieser Sache ist noch nicht gesprochen. Gut möglich, dass die Tempo-70-Schilder bald wieder aufgebaut, womöglich aber auch die vielen anderen Angelegenheiten geklärt sein werden. Und eines schönen Tages werden vielleicht sogar Stadtverwaltung und Landratsamt, Bürgermeister und Landrat wieder beste Freunde. Ganz gewiss.

© SZ vom 19.07.2021
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