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Mitten in Gauting:33 Hundetoiletten und 244 Sitzbänke

Wenn derzeit von Zahlen die Rede ist, weiß jeder, worum es geht: um Inzidenz und Infizierte. Doch es gibt auch andere Zahlen

Glosse von Michael Berzl

Sieben-Tage-Inzidenz und die Neuinfektionen in Deutschland: Das sind die Zahlen, die täglich auf uns einhämmern. Wenn es um "die Zahlen" geht, weiß schon jeder, was gemeint ist, und beschäftigt sich damit, ob sie immer noch zu hoch sind oder doch langsam zurückgehen. Und ist beruhigt, dass wir jetzt im Landkreis Starnberg wieder unter hundert sind.

Mitten in dieser Aufregung erreichen uns aus Gauting ganz andere Zahlen: 90 Mülleimer, 33 Hundetoiletten, 244 Parkbänke. Letztere hat die Gemeinde aufstellen lassen, um das Leben ihrer Bürger möglichst komfortabel zu gestalten, dabei sogar Oberbrunn und Stockdorf nicht ausgelassen und den Waldfriedhof besonders üppig mit Sitzgelegenheiten ausgestattet. Das sind mal andere Zahlen. Der Bauhofleiter Johannes Roth hat sie zusammengesucht, und Michaela Thiel vom Umweltamt im Rathaus hat sie den Gemeinderäten im Umweltausschuss präsentiert. Und das mit gutem Grund.

Immer wieder gebe es Anfragen wegen der Thematik des Sitzens und Entsorgens, wobei beides manchmal sogar zusammenhängt, wie die Fachleute in Bauhof und Umweltamt beobachten können. Wo eine Bank ist, liegt schon mal der Abfall herum. Und auch wo Schüler sind, ist angeblich der Müll oft nicht weit; darüber klagen gerade Anwohner der Karlstraße, einer Diametralen zwischen Bäcker und Pausenhof. Insgesamt, so berichtet Michaela Thiel, werde meist mehr von allem gewünscht: mehr Bänke, mehr Abfalleimer, mehr Tütchenspender.

Allerdings gibt es da auch Grenzen, wie sie erläuterte. Das alles kostet eine Menge Geld, denn über die Jahre läppert sich einiges zusammen. Allein bei den Mülleimern seien es grob überschlagen über zehn Jahre gerechnet für Anschaffung und Unterhalt, Reparaturen und regelmäßige Leerung etwa 100 000 Euro, bei den Bänken in 20 Jahren sogar 900 000 Euro.

Und dann wird das Mobiliar manchmal auch noch mutwillig beschädigt. Da wird eine Sitzbank einfach in die Würm verfrachtet, eine andere schlicht zerlegt, Mülleimer werden beschmiert oder angezündet. Das sind Vorkommnisse, da würde sich der Bauhofleiter wünschen, dass die Zahlen nach unten gehen.

© SZ vom 25.11.2020
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