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Mitten in der Region:Click and Wait

Es wäre der richtige Moment für das Ikea-Erlebnis. Doch wieder macht Corona einen Strich durch die Rechnung

Glosse von MARTIN MÜHLFENZL

Wann stellt er sich denn nur ein, dieser sehnsüchtig erwartete Ikea-Effekt? Dieses befriedigende - und übrigens auch wissenschaftlich belegte - Gefühl, wenn man mit eigenen Händen etwas zusammengeschraubt oder zusammengebaut hat. Und Zeit genug wäre eigentlich in dieser Pandemie, etwa um den eigenen Balkon aufzuhübschen. Vielleicht mit einem neuen Regal für all die Blumentöpfe, Schaufeln und sonstiges Gerät. Oder einer kleinen Bank, auf der es sich im Sonnenschein auf der Südseite auch im Home-Office gut aushalten ließe.

Nur gibt es da ein kleines Problem. Einfach so vorbeifahren, das Auto auf dem Parkplatz abstellen und im Möbelhaus losshoppen ist derzeit ja nicht möglich. Schon muss die erste wegweisende Entscheidung getroffen werden: "Click and Collect" oder "Click and Meet"? Also bestellen und abholen oder Termin buchen und im Laden durch ziemlich vereinsamte Gänge schlendern. Wobei der Begriff "meet" nicht missverstanden werden darf, schließlich gelten auch beim Einkaufen weiterhin die Abstandsregeln und für jeden Kunden ist eine gewisse Fläche an Quadratmetern vorgesehen, von der viele Mieter nur träumen können. Also kurzer Check auf der Homepage, ob die gewünschten Produkte verfügbar sind; schließlich dürfte diese Idee vom Balkon-Aufhübschen derzeit keine sehr exklusive und der Wunsch nach neuen Garten- oder Balkonmöbeln kein seltener sein. Und so spricht das Internet in puncto Verfügbarkeit im schwedischen Möbelhaus: Bank ja, Regal nein.

Wird also doch nichts mit dem Sammeln oder Treffen. Da bleibt nur noch eine Option: Vielleicht erbarmt sich der Möbel-Gigant ja und liefert sehnlichst erwünschte Produkte nach Hause? Ein Klick - und siehe da, eine Lieferung ist tatsächlich möglich. Allerdings lassen Bank und Regal ein wenig auf sich warten, Mitte Mai sollen sie den Balkon verschönern - und so lange wird sich auch der Ikea-Effekt nicht einstellen. Was stattdessen wächst, ist etwas ganz anderes: die Angst davor, dass bei der Lieferung ein paar Schrauben fehlen könnten.

© SZ vom 12.05.2021
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