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Kommentar:Vor allem ein Juckreiz-Problem

Das Votum der Echinger ist erfreulich für die Bürgerbeteiligung - doch vom Ergebnis geht ein verheerendes Signal aus

Mit beeindruckender Mehrheit haben die Echinger dafür gestimmt, dass die Gemeinde die Ausbringung von BTI zur Bekämpfung der angeblichen Mückenplage beantragt. So erfreulich das Ergebnis hinsichtlich der Beteiligung der Bürger an demokratischen Entscheidungsprozessen ist, so verheerend ist das Signal, das davon ausgeht. In einer Zeit, die von Sorge über Artenschwund und Insektensterben erfüllt ist, lassen sich Menschen von lästigen Stichen zu einem Votum gegen alle Vernunft verleiten: Es sollen Mittel in der Natur ausgebracht werden, deren Kollateralschäden nicht absehbar sind.

Erst heuer hat eine Studie wieder ergeben, dass BTI auch harmlose Zuckmücken und Frösche gefährdet. Aber selbst wenn das Mittel wirklich ausschließlich Überschwemmungsmücken vernichtete, entzieht es Amphibien, Vögeln und Fledermäusen auf jeden Fall eine Nahrungsquelle. Als einer der wenigen attestiert der Biologe Norbert Becker BTI unermüdlich Unbedenklichkeit: Er hat die Kommunale Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage am Oberrhein gegründet, die Technik dazu entwickelt und versucht, seine Methode zu exportieren.

Zuletzt hatte er 2015 damit am Chiemsee Erfolg. Dass es am Ammersee so weit kommt, ist trotz des Bürgervotums nicht zu erwarten, denn die behördlichen Barrieren für einen BTI-Einsatz sind sehr hoch. Man sollte sich auch vor Augen halten, dass die Mücken-Massenvermehrungen zeitlich begrenzt sind. So war es auch heuer: Auf Hochwasser folgten Trockenperioden, die Attacken gingen wieder zurück. Dazu kommt, dass BTI nur gegen zwei von 50 Stechmückenarten in Deutschland eingesetzt werden darf, deren Aktionsradius 15 Kilometer weit reicht. Ein Echinger Alleingang hat also wenig Sinn, führt aber zu beträchtlichem Aufwand. Und der steht in keiner Relation zu den Folgen der Stiche: Im Gegensatz zu manchen seuchengeplagten Tropenregionen gibt es am Ammersee kein Mücken-, sondern ein Juckreiz-Problem.