Kommentar:Verstörende Debatte

Lesezeit: 1 min

Die Berger Gemeinderäte kanzeln den Gründer der Montessorischule Biberkor, der ein weiteres Vorzeigeprojekt plant, wie einen Schulbuben ab

Von Sabine Bader

Mit wem und mit was hat man es hier zu tun? Mit einem Bauherrn, der sich, um es vorsichtig auszudrücken, nicht immer optimal verkauft. Mit etlichen neuen Gemeinderäten, die versuchen, sich zu profilieren und schon darum gern besonders kritisch und vehement auftreten. Und mit einem inklusiven Mehrgenerationen-Wohnprojekt, dessen Bau die Gemeinde keinen Cent kosten würde. Die Rede ist von Werner von Kahlden-Gmell, dem Gründer der Montessorischule Biberkor, und den Berger Gemeinderäten, die den 77-Jährigen am Dienstag mit seinem Wohnprojekt wie einen Schulbuben abblitzen ließen.

Vielleicht ist es gerade das, was am allermeisten verstört am Verlauf der Debatte. Es ist der despektierliche Unterton, mit dem Ratsmitglieder über Kahlden-Gmells Pläne urteilten. So, als preise der Mann das x-te Projekt an, mit dem man sich herumärgern müsse. Dabei sollte man sich schon erinnern, dass gerade er mit seinem Privatvermögen eine Schule gegründet hat, die bundesweit ihresgleichen sucht. Die Schule in Biberkor mag noch nicht perfekt sein, und es mögen dort noch Container stehen, aber sie ist, wie auch die Berger Windräder, wirklich innovativ. Und die Gemeinde profitiert gerade von solchen Vorzeigeprojekten.

Es wäre also jammerschade, wenn Kahlden-Gmell die Ausdauer und das Interesse an Berg als Standort für sein Wohnprojekt verlieren und es außerhalb der Gemeinde verwirklichen würde. Und das hauptsächlich nur deshalb, weil zwischen ihm und etlichen Gemeinderäten die Chemie nicht passt.

Noch ein zweiter Punkt: Es mag vielleicht altmodisch klingen, aber man sollte als gemeindliches Gremium einigermaßen verlässlich bleiben. Fast sechs Jahre lang hatten die Berger Ratsmitglieder das Vorhaben mit Wohlwollen begleitet - und jetzt die Kehrtwende. Dabei haben sich mit der Kommunalwahl nicht unbedingt die Mehrheitsverhältnisse im Gremium, sondern nur die Personen geändert. Sollten solche Richtungswechsel in Berg Schule machen, kann man es Kahlden-Gmell und anderen Bauwerbern nicht verübeln, wenn sie es sich künftig zweimal überlegen, ob sie Berg als Standort für ihr Vorhaben wählen.

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