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Kommentar:Geben und nehmen

Ein christlicher Verein und sein Nachbar wollen den Gemeinderat einseifen, um ihre Bauvorhaben durchzusetzen

Von Sabine Bader

So etwas nennt man wohl einseifen. Da wird zu Beginn einer Gemeinderatssitzung, in der es um ein Bauvorhaben in sensibler Lage am Seeufer geht, ein platter Film gezeigt, der für Ferienfreizeiten bei "Wort des Lebens" wirbt. Geht's noch plakativer? Das hätte dieses Jugendwerk wirklich nicht nötig. Wenig später kommt heraus, dass auf einem Grundstück des Freistaats etliche Schwarzbauten stehen.

Und mancher Gemeinderat mag sich spätestens dann verschaukelt gefühlt haben, als ihm das tatsächliche Ausmaß des Bauvorhabens bewusst geworden ist. Mehr als doppelt so groß wie das ehemalige Stallgebäude soll der Neubau werden. Wo doch der empfindliche Seeuferbereich eigentlich ganz von Bebauung freigehalten werden sollte. Und die Ufer laut Artikel 141 der bayerischen Verfassung ohnehin für die Öffentlichkeit zugänglich sein sollten. Alles fromme Wünsche. Die Realität sieht ganz anders aus. Grundstücke am See sind so gefragt wie noch nie. Und ihre Preise klettern in schwindelerregende Höhen.

Wen wundert es, dass mancher Eigentümer nach so einer Investition auch alles daran setzt, auf dem Grundstück nach Gutdünken bauen zu können. Paragrafenreiter in den Behörden sind da nur hinderlich. Da wird versucht, über bekannte Anwälte Einfluss auf die Kommunalpolitiker zu nehmen - in der Hoffnung, dass sie einknicken. Und letztlich soll ein Koppelungsgeschäft, in das die christliche Jugendorganisation involviert wäre, Baurecht bringen. Jetzt ist es an der Gemeinde Berg, standhaft zu bleiben.

© SZ vom 10.06.2021
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