bedeckt München

Kinderbetreuung in Seefeld:Besser bio

Um die 90 Portionen kocht Monika Brunner-Wörsching täglich im Kinderhaus Seefeld.

(Foto: Arlet Ulfers)

Alle Kitas sollen die Verpflegung umstellen, fordert der Bund Naturschutz und hat in Bürgermeister Klaus Kögel einen Mitstreiter gefunden. Nun wollen sie Eltern und Leiterinnen von den Vorzügen überzeugen

Von Christine Setzwein, Seefeld

Die einen kochen selber, die anderen lassen liefern, die einen beziehen Bio-Produkte, die anderen konventionelle. So unterschiedlich die zwölf privaten und gemeindlichen Kindertagesstätten in Seefeld sind, so verschieden sind auch ihre Essen, die sie den Kindern servieren. Wenn es nach dem örtlichen Bund Naturschutz (BN) und Bürgermeister Klaus Kögel (CSU) geht, soll sich das ändern. Bio-Essen in allen Kitas, lautet die Devise, die Kögel und Helmut Ronstedt (BN) am Donnerstag ausgegeben haben. Unterstützt werden sie dabei von der Hechendorferin Angelika Lintzmeyer, die zusammen mit dem Tollwood und der Stadt München vor 15 Jahren die Initiative "Bio für Kinder" ins Leben gerufen hat, und von Carola Petrone, die in Weßling den Bio-Caterer "Il Cielo" betreibt.

Im Oktober hatten sich Gemeinde, Bund Naturschutz und Kitaleiterinnen zu einem ersten Erfahrungsaustausch getroffen. Vorbehalte gegen Bio-Essen seien zum einen die höheren Kosten, zum anderen die Eltern, die ihren Kindern oft viel zu viel Süßes als Brotzeit mitgäben, sagt Ronstedt. Laut Lintzmeyer liegt es oft nicht am Preis von Bioprodukten, dass Projekte scheiterten, sondern am Personal, das nicht betriebswirtschaftlich arbeiten könne. Auch wer Bio-Esssen anbieten wolle, müsse ordentlich ausschreiben, mit Erzeugern und Lieferanten verhandeln und etwa Jahresabnahmemengen ausmachen. Dazu gehöre ein langfristiger Speiseplan. Kitas, die auf Bio umstellen möchten, könnten sich auf der Homepage www.biospeiseplan.de kostenlos informieren. Und sie und Carola Petrone stünden als Mentorinnen und Beraterinnen zur Verfügung. Im Übrigen müsse keine Einrichtung sofort auf 100 Prozent Bio umstellen, sagt Lintzmeyer. Am wichtigsten sei es beim Fleisch.

Fleisch gibt es im "Zwergen- und Feenland-Kinderhaus" in Seefeld ohnehin nur einmal pro Woche, und einmal wird Fisch serviert, ansonsten steht viel Gemüse auf dem Speiseplan, sagt Leiterin Eva Leitner. Im Gemeindekindergarten wird täglich frisch aufgetischt, Köchin Monika Brunner-Wörsching kauft auch selber ein. Aktuell besuchen 50 Kinder das Kinderhaus, dazu bereitet Brunner-Wörsching noch etwa 40 Portionen für die Mittagsbetreuung der Nachbarschaftshilfe Seefeld. Das sind täglich um die 90 Essen, die in der geräumigen Küche gekocht werden.

Die Seefelder Naturschützer wollen bald eine Homepage mit den Adressen regionaler Bio-Erzeuger und -Lieferanten anlegen. Ob die Zwerge und Feen in Seefeld oder die Seepferdchen und Pinguine im Kindergarten Hechendorf und die anderen Kitas in der Gemeinde, die noch nicht umgestellt haben, künftig Bio-Essen wollen, soll nun ermittelt werden. "Wir wollen herausfinden, wie groß die Bereitschaft ist", sagt Bürgermeister Kögel, selber Verfechter einer gesunden Ernährung. Denkbar wäre, mit einem Gemeindekindergarten als Pilotprojekt zu beginnen. Ein Seefelder Biobauer sei schon interessiert daran, sein Gemüse zu liefern. Überzeugt werden müssten Kitaleitungen und Eltern. "Die Kinder stellen sich in einigen Wochen um, meint Ronstedt. Und mögen dann vielleicht auch Fenchel, den der Bürgermeister als Kind partout nicht essen wollte.

© SZ vom 20.11.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema