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Hommage an Christian Bruhn:Das Wunder aus Wentorf

Der Filmabend mit dem Hit-Komponisten

Was haben "Marmor, Stein und Eisen bricht", "Zwei kleine Italiener", die Musik zu "Wickie", zu "Captain Future" und der Werbejingle für Milka-Schokolade gemeinsam? Sie haben den gleichen Komponisten: Christian Bruhn. "Meine Welt ist die Musik" heißt das 2017 erschienene Filmporträt über ihn. In der Schlossberghalle lief es auf dem Festivals. Anschließend gab es ein Filmgespräch mit Bruhn, Regisseurin Marie Reich und dem Produzenten Constantin Ried.

Der 83-Jährige aus Wentorf bei Hamburg veröffentlichte mehr als 2000 Lieder und schrieb die Musik für mehr als 100 Werbefilme. In den Society-Gazetten sucht man den Erfolgsmusiker vergeblich. "Mir liegt nichts daran, auf der Straße erkannt zu werden. Ich will auf der Straße gepfiffen werden". Das belegt eine Szene im Wiesnfestzelt. Aus Hunderten von Kehlen tönt "Marmor, Stein und Eisen bricht" - in der Menge steht unerkannt der Komponist, singt mit und grinst.

"Ein bisschen Spaß muss sein", "Akropolis ade" und der Grand-Prix-Hit von 1970, "Wunder gibt es immer wieder", gesungen von seiner Ex-Ehefrau Katja Ebstein, sind im Kollektivgedächtnis der Deutschen verankerte Kult-Hits. Das Erfolgsrezept? An oberster Stelle stehe das Gebot "Du sollst nicht langweilen". Auch eine gute Schlagzeile sei wichtig. "Wärst du doch in Düsseldorf geblieben", rezitierte er. "Viermal der Buchstabe 'd' - eine tolle Alliteration". Musikalisch beginne er gerne groß, mit gigantischen Akkorden. "Einem komplizierten Vers folgt eine ganz einfache Refrainmelodie. "Das kann doch jeder - oder auch nicht", sagte er und lachte. Vielleicht ist sein Geheimnis die Fähigkeit, in jeder Tonart eine andere Farbe zu sehen, oder seine chamäleonartige Wandlungsfähigkeit. "Das kommt alles aus demselben Kopf."

Von dem Erfolg seiner Lieder kann der langjährige Gema-Vorsitzende gut leben. Im Film begleiten ihn die Zuschauer in seine Villa in Solln mit Swimming-Pool, Aufnahme- und Studioräumen. "Er ist eine Musikmaschine", lobt Marie Reich. In der Schlossberghalle setzte sich der Musiker ans Klavier und stimmte Gassenhauer an, deren Titel ihm das Publikum zurief.

© SZ vom 17.09.2018 / pat
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