Modelabel Hirsch, Krone und Barockengel

Mit ihrem Label "Alpensünde" bedient die Designerin Patricia Fleischmann eine breite Kundschaft. Auch Promis tragen die Shirts der 38-jährigen Mutter von zwei Kindern

Von Christine Setzwein, Herrsching/Wörthsee

Wenn Michelle in wenigen Tagen in der Philharmonie des Münchner Gasteigs ihr Album "Ich würd' es wieder tun" vorstellt, könnte es durchaus möglich sein, dass sie ein T-Shirt mit einem besonderen Logo trägt: Hirsch, Krone und Engel, mit Strasssteinchen und Nieten verziert. Die deutsche Schlagersängerin ist eine der Prominenten, die Mode von "Alpensünde" tragen. "Michelle liebt Alpensünde, und Alpensünde liebt Michelle", sagt Patricia Fleischmann. Die 38-Jährige ist Geschäftsführerin und Designerin des Labels mit Sitz in Wörthsee, das sie 2014 aus der Taufe gehoben hat.

Büro, Lager und Showroom in Herrsching sind ganz in Weiß gehalten. Dort hängt die aktuelle Kollektion: T-Shirts und Sweater mit kurzen und langen Ärmeln, Stricksachen, Janker, und Blusen. Die Teile heißen Best Alps, Special Alps, Awesome Alps oder Leo Alps. Dann gibt es schon die Modelle für kommenden Winter, und auch die Sommerkollektion 2018 liegt schon da. Ein graues T-Shirt mit Animal-Print, Logo und Strass war das erste Stück, das Fleischmann entworfen hat. "Es ist immer noch der Renner", sagt sie, und mittlerweile in Beige, Grün und Rot erhältlich. Die Preise in den Läden bewegen sich zwischen 80 und 250 Euro, die Konfektionsgrößen zwischen 34 und 44. Produziert wird in Rumänien, Griechenland und in der Türkei.

"Ich mache keine Mode. Ich bin die Mode." Diesen Satz von Coco Chanel hat Patricia Fleischmann für sich übernommen. Schon als Mädchen hat sie sich für Mode interessiert, ist gerne mit ihrer Mutter zum Einkaufen gegangen. Schuhe und Taschen mussten zusammenpassen, das war wichtig. Geboren ist Fleischmann im niederbayerischen Osterhofen. In Passau studiert sie Betriebswirtschaftslehre, geht nach dem Diplom als Junioreinkäuferin für Heimtextilien zum Teleshoppingsender HSE 24 nach München und wechselt 2009 als Einkäuferin in dessen Modeabteilung. Sie lernt viel, genießt den Modezirkus. Sie ist oft unterwegs, reist zu den Produzenten und besucht Messen in Mailand, Kopenhagen oder Istanbul.

Dann kommt Poldi. 2013 wird Sohn Leopold geboren, da wohnen die Fleischmanns schon in Wörthsee. Poldi ist ein sehr braves Kind - und der Mama ist todlangweilig. "Ich hab' jeden Tag den Rasen gemäht", erzählt sie, "ständig das Haus geputzt." Sie vermisst ihre Arbeit. So fängt sie an, Modelle zu zeichnen. Eines Tages fragt sie ihr Mann Philipp, welche Marke ihr denn fehle im großen Modeangebot. Und sie überlegt. Sie mag Tracht, bezeichnet sich selber als sehr bodenständig und heimatverbunden. "Aber überall kann und will man nicht im Dirndl hingehen", sagt sie. Sie denkt an Shirts im Trachtenstil, die zur Lederhose genauso angezogen werden können wie unter einen Blazer, zur Jeans oder zum eleganten Rock. Jung sollen die Sachen sein, ein bisschen rockig, gut sitzend, von sehr guter Qualität. Der Name ihres Labels ist dann eigentlich ganz logisch: Alpen - wegen der Tracht - und Sünde - weil es mit echter Tracht dann doch nicht viel zu tun hat.

Im Showroom in Herrsching hängen die verschiedenen Kollektionen mit T-Shirts, Sweatern, Janker und Blusen mit Namen wie Best Alps oder Leo Alps.

(Foto: Arlet Ulfers)

Die erste Kollektion umfasst zwölf Teile, heute sind es 45. Ein Vertriebsleiter und sieben Vertreter versorgen die Läden in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Alpensünde. Zweimal pro Jahr gibt es im Showroom einen Kollektionsverkauf. Der Andrang ist groß. Die Kundinnen kommen aus allen Schichten und Altersgruppen, ob elegante Stammkundin oder junge Frau, die sich nur ein Teil leisten kann. "Wir haben viele treue Käuferinnen, die mehrmals im Monat online bestellen", sagt Fleischmann.

Vor neun Monaten wurde Töchterchen Franziska geboren. Für die 38-Jährige bedeutet das, dass sie bis zum frühen Nachmittag im Büro arbeitet und dann die Kleinen von Kindergarten und Krippe abholt. Aber natürlich, da geht es ihr wie vielen anderen berufstätigen Müttern, "kann ich nicht sofort abschalten". Entspannung findet sie am Wörthsee oder bei Wochenendausflügen in die Berge.

Das Geschäft läuft, aber auf ihren Lorbeeren will sich die Designerin nicht ausruhen. Die Kollektion darf ruhig noch größer werden. "Und noch runder", ergänzt Pia Frühauf, rechte Hand von Fleischmann und für Einkauf und Marketing zuständig. Mit "rund" meint sie, dass die Teile so ergänzt werden, dass sie noch besser zusammenpassen. Zum Wachsen gehört freilich auch, die Wünsche und Vorlieben der Kundinnen noch besser kennenzulernen. Denn nur Promis anziehen, so werbetauglich das auch sein mag, will Patricia Fleischmann nicht.

2014 hat die Wörthseerin ihr Label mit dem auffälligen Logo gegründet.

(Foto: Arlet Ulfers)