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Geothermie in Bernried:Erdbebendienst überwacht Bohrungen

Kann der Bau und Betrieb des Erdwärmekraftwerks in Bernried Erdbeben auslösen? Hochempfindliche Seismografen sollen den Anwohnern nun Klarheit bringen.

Bislang sind lediglich Thesen und Spekulationen im Umlauf, bald soll es im Internet nachzulesende Messergebnisse geben. Der Erdbebendienst Bayern wird Bau und Betrieb des geplanten Erdwärmekraftwerks in Bernried mit hochempfindlichen Seismometern überwachen, wie der Geschäftsführer der Firma "BE Geothermal", Lutz Stahl, auf Anfrage sagte. Das Forschungsprojekt des Bundesumweltministeriums und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) soll Aufschluss darüber geben, ob die Geothermieanlage womöglich Erdstöße auslöst. Damit könnte die Hauptsorge der Anwohner und der Bürgerinitiative gegen das Kraftwerk - "dass es zu Erdbeben kommt und keiner bezahlt" - ausgeräumt werden, wie Stahl hofft.

Lutz Stahl von "BE Geothermal" stellt im Februar den Bauplatz für das Geothermie-Kraftwerk in Bernried vor. Nun wird der Erdbebendienst Bayern den Bau und Betrieb des geplanten Kraftwerks mit hochempfindlichen Seismometern überwachen.

(Foto: STA)

Stahl zufolge sollen in der Bernrieder Umgebung sechs Messgeräte dauerhaft installiert bleiben. Mitarbeiter des Geophysikalischen Oberservatoriums am Department für Geo- und Umweltwissenschaften der LMU haben das erste Seismometer bereits im Park der Klinik Höhenried aufgestellt. Die bierkastengroße Apparatur registriere bislang "keine nennenswerte Aktivität", was laut Stahl zu erwarten war: "Wir leben in einem seismisch ruhigen Gebiet."

Fünf weitere Geräte sollen in Haunshofen, der Gegend um Gallafilz, in Monatshausen und im Süden und Westen von Tutzing aufgebaut werden. Mit ihrer Hilfe lässt sich nach Stahls Angaben "bis auf wenige Meter feststellen, woher eine seismische Störung kommt - sei es aus einer 800 Meter tiefen Kohlegrube in Penzberg oder bei einer Bohrung in Bernried". Zusätzlich will die "BE Geothermal", die das Geothermiekraftwerk mit der Gemeinde Bernried plant, vor dem Betrieb der Anlage ausgewählte Häuser in Kampberg, Haunshofen oder Seeshaupt mit Gebäudeschwingungs-Messgeräten ausstatten. Damit lässt sich eruieren, ob beispielsweise Gebäuderisse auf die Förderung von heißem fossilen Wasser aus mehreren tausend Metern Tiefe zurückzuführen sind. Stahl spricht deshalb von einem "engmaschigen, zweistufigen Messnetz".

Die langfristigen Untersuchungen sind Teil eines Forschungsprojekts, das das Bundesumweltministerium fördert. In der bayerischen Molasse, im Oberrheingraben und in der Region um Hannover soll erfasst werden, ob und in welchem Maß die Nutzung der Geothermie zu Bewegungen in den tiefen Erdschichten führen kann. Zu den Projektpartnern gehören die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe sowie Universitäten in Karlsruhe, Berlin und Clausthal. Die Geräte werden in Bernried bereits vor Beginn der Bohrungen installiert, um feststellen zu können, ob es dort eine natürliche Seismizität gibt.

Die BE Geothermal muss sich damit nicht beeilen. Denn der Zeitplan für den Anlagenbau hat sich zum wiederholten Mal verschoben. Weil sich die Umweltverträglichkeitsstudie lange hinzog, soll das Kraftwerk nun erst im August 2013 in Betrieb gehen. Zuletzt war schon die Heizperiode 2011/2012 geplant gewesen.