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Naturschützer im Visier:Bürgermeister und Brandstifter

Brand im Schilfgürtel am Ammersee

Löschhubschrauber waren beim Wiesenbrand in Aidenried im Einsatz.

(Foto: Fuchs)

Naturschützer soll Feuerwehreinsatz bezahlen - und macht dafür einen "Feldzug" des Pähler Rathauschefs verantwortlich

Die Schutzgemeinschaft Ammersee (SGA) soll für den Feuerwehreinsatz beim Wiesenbrand nahe Aidenried die Kosten übernehmen. Nach einem Urteil des Münchner Verwaltungsgerichts müssen die Naturschützer mehr als 20 000 Euro zahlen - unter anderem rund 10 000 Euro für den Hubschraubereinsatz, den die Gemeinde Pähl vorab erstattet hat. Anderenfalls hätte der gemeinnützige Verein einen Kostenerlass für den Helikopter beantragen können, meint Reinhard Grießmeyer, Verursacher des Brandes und SGA-Chef und unterstellt bösen Willen. Zwischen ihm und dem Pähler Bürgermeister Werner Grünbauer ist eine erbitterte Auseinandersetzung entbrannt, die längst an mehreren Fronten geführt wird.

Grießmeyer hat nach Auffassung des Verwaltungsgerichts grob fahrlässig gehandelt, als er am 12. März 2014 bei mittlerer Waldbrandgefahrenstufe einen Haufen mit Mähgut anzündete. Es entwickelte sich ein Flächenbrand, der schließlich 17 Hektar Wiesen und Schilf erfasste. 230 Einsatzkräfte, ein Löschboot und drei Hubschrauber waren den ganzen Nachmittag über damit beschäftigt, das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Die Gemeinden Pähl und Wielenbach forderten von der SGA Kostenerstattung, die Klage des Vereins dagegen hat das Gericht nun zurückgewiesen. Weitere Forderungen aus Dießen oder Herrsching könnten noch folgen - auch aus diesen Orten rückten damals Feuerwehrleute zum Großeinsatz an. Die strafrechtliche Verfolgung des Feuers hatte die Staatsanwaltschaft kürzlich gegen die Zahlung von 1500 Euro eingestellt.

Grießmeyer will erst die schriftliche Urteilsbegründung abwarten, bevor er entscheidet, ob er im Zivilprozess Berufung einlegt. Er sieht sich als Opfer eines "Vernichtungsfeldzugs" des Pähler Bürgermeisters. Ursprünglich habe man miteinander vereinbart, dass der SGA keine Feuerwehrkosten in Rechnung gestellt werden. Der Verein hätte im Gegenzug den Hubschraubereinsatz übernommen, die Naturschützer hätten die Kosten sicher erlassen bekommen, sagt Grießmeyer.

Einen Antrag auf Kostenbefreiung hätte auch die Gemeinde Pähl stellen können - doch Grünbauer habe "das bewusst nicht gemacht und sofort bezahlt, um uns zu schaden", sagt Grießmeyer. Die Ursache für den angeblichen Gesinnungswandel des Bürgermeisters sieht er in anderen Meinungsverschiedenheiten, die etwa die Verwüstungen bei Holzfällarbeiten im Naturschutzgebiet Pähler Schlucht oder den Radweg an der Birkenallee betreffen.

Grünbauer will trotz mehrfacher Nachfrage dazu nicht gegenüber der SZ Stellung nehmen. Er hat aber bereits öffentlich angeregt, die SGA möge sich am Vorsitzenden schadlos halten, um die Gemeinnützigkeit des Vereins nicht zu gefährden. Grießmeyer sollte zurücktreten, damit der Naturschutzgedanke nicht noch weiter Schaden nehme, findet der Bürgermeister.

"Das geht ihn überhaupt nichts an" ärgert sich der als streitbar bekannte SGA-Chef. Ebensowenig habe der Bürgermeister zu bestimmen, ob die Feuerwehrkosten gegebenenfalls vom Verein, einer Privatperson oder einer Versicherung erstattet würden. Erst einmal müsse sich Grünbauer dafür rechtfertigen, warum auf SGA-Grund in den Raistinger Wiesen auf Pähler Gemeindegebiet ein Wirtschaftsweg angelegt worden ist, ohne dass der Verein dazu gefragt wurde.

Dass Grünbauer generell mit allen örtlichen Naturschützern auf Kriegsfuß steht ist hinlänglich bekannt. Im April wurde im Pähler Gemeinderat nachgefragt, wie nun eine besonders artenreiche Wiese der Kommune am Hirschberg weiter gepflegt werden soll. Der Bürgermeister hatte zuvor den Pachtvertrag mit dem Bund Naturschutz gekündigt. "BGM Grünbauer ist der Auffassung, dass es nur in Verbindung Radweg, Pähler Schlucht zu einer Regelung kommen kann", heißt es im offiziellen Sitzungsprotokoll: "Dies wurde auch so vereinbart." Was genau und mit wem, blieb offen. Grießmeyer wird sich wohl auf Vereinbarungen mit Pähls Bürgermeister nicht mehr verlassen.

© SZ vom 17.08.2015

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