Doppelmord von Krailling: Schwere Vorwürfe:"Bewusst ruhiggestellt in dieser Nacht"

Direkt nach der Tat hat Ursula S. ihrem Ehemann noch ein Alibi gegeben. In einem Interview erhebt die 44-Jährige nun schwere Vorwürfe gegen den mutmaßlichen Doppelmörder von Krailling. Dennoch fragen sich die Ermittler: Hat die redefreudige Frau wirklich nichts von möglichen Mordplänen gewusst?

Thomas Anlauf

Der mutmaßliche Doppelmörder von Krailling gerät weiter unter Druck. Nun wird er schwer von seiner Ehefrau belastet. Die 44-Jährige, die Thomas S. zunächst ein Alibi für die Tatzeit am 24. März gegeben hatte, hält ihren Mann nun für den Mörder der beiden acht und elf Jahre alten Mädchen.

Onkel bestreitet Tötung seiner Nichten

In diesem Haus in Krailling wurden die beiden kleinen Mädchen getötet.

(Foto: dapd)

Und die gelernte Erzieherin belastet den 50-jährigen Postboten aus Peißenberg mittlerweile auch in der Öffentlichkeit schwer. In einem Interview mit dem Stern, welches das Magazin am Mittwoch vorab in Teilen veröffentlicht hat, sagt die Mutter von vier Kindern: "Für mich gibt es keinen Zweifel, dass er es war."

Detailliert schildert Ursula S. in dem Interview, wie sie sich die Tat erklärt. So ist sie sich sicher, dass ihr Mann sie "bewusst ruhiggestellt hat in dieser Nacht", bevor er von ihrem gemeinsamen Haus in Peißenberg nach Krailling fuhr, um dort die beiden Kinder von Ursula S.' Schwester brutal zu ermorden. Sie glaubt, dass die Tat von Thomas S. lange geplant gewesen sei. Es gebe viel, "von dem ich sage, da hätte ich Verdacht schöpfen können", sagte sie dem Magazin.

Die Aussage ihres Mannes, er sei zwei Wochen vor der Tat im Haus seiner Schwägerin gewesen und habe dort nur wegen Nasenblutens DNS-Spuren hinterlassen, kann Ursula S., die in der Zwischenzeit die Scheidung eingereicht hat, nicht glauben. "Das hätte ich mitbekommen. Wir waren bis auf die paar Stunden, an denen er gearbeitet hat, eigentlich immer zusammen. Und zwischen der Familie meiner Schwester und meiner herrschte absolute Funkstille, was hätte er dort zu suchen gehabt?" Thomas S. habe ihr gegenüber auch nie etwas von einem Besuch bei ihrer Schwester in Krailling erwähnt.

Diese Aussage deckt sich mit Einschätzungen aus dem familiären Umkreis von Ursula S. Bei der Partnerschaft habe es sich um eine "gegenseitige Hörigkeit" gehandelt, erfuhr die Süddeutsche Zeitung von Verwandten. Das Paar habe alles miteinander abgesprochen.

Deshalb ist auch bis heute unklar, ob Ursula S. wirklich nichts von den möglichen Mordplänen ihres Mannes gewusst hat. Ermittler der Soko "Margarete", die bereits aufgelöst ist, hatten auch die Tante der ermordeten Mädchen mehrfach verhört. Im Prozess gegen Thomas S., der nun voraussichtlich Anfang kommenden Jahres beginnen wird, soll die 44-Jährige als Zeugin geladen werden.

Der Pflichtverteidiger des in Stadelheim inhaftierten Thomas S. wundert sich nicht besonders über die aussagefreudige Noch-Ehefrau seines Mandanten. "Die Staatsanwaltschaft wird sie umgedreht haben", sagte der Münchner Rechtsanwalt Karl Peter Lachniet am Mittwoch der SZ. Er könne sich vorstellen, dass die Ermittler Ursula S. alle möglichen Indizien gegen ihren Mann aufgezählt hätten.

Die Peißenbergerin hat aber auch eine eigene These für ein Motiv ihres Mannes. Es gehe nicht nur um eine langwierige Auseinandersetzung zwischen ihm und ihrer Schwester wegen Erbstreitigkeiten. Ursula S. glaubt, ihr Mann habe einen Riesenhass auf die Mutter der getöteten Kinder gehabt - weil diese ihm oft widersprochen habe.

Pflichtverteidiger Lachniet verweist trotz zahlreicher Indizien, die gegen seinen Mandanten sprechen, stets darauf, dass in einem "Rechtsstaat die Unschuldsvermutung bis zum Urteil" gilt.

© SZ vom 16.06.2011/tob
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