bedeckt München 28°

Bernrieder Musikfestival:"Wir versuchen, etwas Einzigartiges zu schaffen"

Der Jazzgeiger Max Grosch organisiert gemeinsam mit Stefan Kirpal das Bernrieder Musikfestival. Das Programm reicht von Big-Band-Swing über Klassik bis hin zu Experimenten mit einem Schweizer Stimmakrobaten

Das Diogenes Quartett wird in Bernried zu sehen und hören sein.

(Foto: Arlet Ulfers)

Was 2017 bescheiden mit zwei Konzerten begann, soll zur Einrichtung werden. Das Bernrieder Musikfestival bietet heuer von 12. bis 14. Juli fünf Konzerte zwischen Jazz und Klassik. Der Bernrieder Jazzgeiger Max Grosch organisiert die Events gemeinsam mit seinem Freund, dem Violinisten Stefan Kirpal, Kopf des renommierten Diogenes-Quartetts ist. Die SZ sprach mit Grosch über das Konzept des Festivals und das diesjährige Programm.

SZ: Fast zwei Jahre sind seit dem ersten Festival vergangen. Lag die lange Pause daran, dass zur Premiere zu wenig Besucher kamen?

Max Grosch: Nein gar nicht, das Festival war ein großer Erfolg - aber für uns halt auch mit einem immensem Zeitaufwand verbunden. Neben meiner Professur am Konservatorium Klagenfurt habe ich etwa mit meinem Jazzquartett, der Organ Band, und im Duo mit Matthias Bublath verschiedene Projekte am Laufen. Und Stefan ist als Primarius des Diogenes-Quartetts wahnsinnig gefordert, das Ensemble gibt weltweit Konzerte und hat schon mehr als 20 CDs aufgenommen.

Wie lange kennen Sie sich schon?

Wir sind seit unserer Jugend miteinander befreundet und arbeiten seit mehr als 30 Jahren immer wieder zusammen - das geht von Kammermusik bis zu Jazz und Crossover-Projekten.

Was gab den Ausschlag, dass Sie heuer einen erneuten Anlauf für das Festival in größerem Rahmen nehmen?

Die organisatorische Initialzündung gab Ende vergangenen Jahres die neue Hoteldirektorin des "Marina", Daniela Schulze, die zuvor schon Konzerterfahrungen in Adelboden und Dresden gesammelt hat.

In der Tenne vom "Marina" finden dieses Mal alle Konzerte statt.

Ja, da hab' ich schon mal vor 15 Jahren gespielt. Die Tenne klingt gut und sieht toll aus: Mit der raffinierten Deckenkonstruktion in Form eines umgedrehten Boots erinnert sie ein bisschen an den Florianstadel, bloß eine Nummer kleiner.

Zu Ihrem Konzept gehört offenbar auch, ein jüngeres Publikum zu erreichen.

Genau. Wir merken ja auch, dass der Anteil der Kinder, die Musik spielen, immer dünner wird. Deshalb machen wir zum Auftakt erstmals ein Kinderkonzert, zu dem wir 280 Kinder der Grundschulen Bernried und Wolfratshausen eingeladen haben. Bei größerer Nachfrage könnten wir auch eine zweite Vorstellung anbieten.

Was wird da geboten?

Das Musikspiel "Das rätselhafte alte Haus" der Jazzsängerin Sonja Eschke, das vor zwei Jahren bei den Jazztagen Erding uraufgeführt wurde. Zu ihrer Rabaukencombo gehört ihr Mann, der bekannte Pianist Jan Eschke, der auch in Bernried aufgewachsen ist. Zu einer spannenden Gespenstergeschichte wird ein Spiel mit Licht und Schatten präsentiert, die Bandbreite der Musik reicht von Blues und Gospel über Swing, Latin bis zu Modern Jazz und Funk.

Wirken im Programm auch junge Musiker mit?

Rein numerisch stellen sie sogar die überwältigende Mehrheit: Die Big Band des Gymnasiums Kempfenhausen tritt nämlich mit bis zu 100 Schülern auf. Ich habe das Ensemble vor fünf Jahren bei einem Benefizkonzert kennengelernt. Beim Festival bestreiten sie das Vorkonzert zur Bigband-Night, das ist eine logistische Herausforderung.

Danach folgt die "Eight Cylinder Big Band" des Keyboarders Matthias Bublath.

Jazz-Duo im Rittersaal

Organisator Max Grosch (rechts, mit dem Pianisten Matthias Bublath) tritt auch selbst auf.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Ihn habe ich vor 17 Jahren in Astoria, New York, kennengelernt, wo wir beide wohnten. Seitdem wir beide wieder in Bayern leben, haben wir uns öfter gesehen und miteinander gearbeitet, so auch beim ersten Bernrieder Festival. Die Eight Cylinders sind ja eine der führenden Big Bands in Europa. Vor zwei Jahren spielten sie gleich eine Woche lang in der Münchner Unterfahrt. Ich freue mich schon darauf, diesmal als Gast dabei zu sein.

Und wo findet die Klassik im Programm ihren Platz?

Am Samstag gibt das Diogenes-Quartett ein Kammerkonzert. Bei einem Klarinettenquintett spielt Laura Ruiz Ferreres mit. Sie gilt an ihrem Instrument als eine der talentiertesten Künstlerinnen ihrer Generation, ist mit vielen Preisen ausgezeichnet worden und seit 2011 Professorin für Klarinette an der Musikhochschule Frankfurt. Und zum finalen Höhepunkt findet das Fusion-Konzert mit dem Diogenes Quartett, Martin O. und mir statt.

Klarinettistin Laura Ruiz Ferreres (Spanien)

Klarinettistin Laura Ruiz Ferreres gehört zu den Gästen des Festivals.

(Foto: Nuria Aguade/oh)

Was darf das Publikum da erwarten?

Martin O. ist ein erstaunlicher Stimmakrobat aus der Schweiz, der mit klassischen Gesangselementen, Geräuschen, Beatbox und selbst gebautem Loopgerät arbeitet. Das ist teilweise sehr lustig, teilweise sehr ernst, auf jeden Fall ist Martin O. ein richtiger Showtyp. Wir versuchen, gemeinsam etwas Einzigartiges zu schaffen, dazu ist vorher aber noch ein intensiver Austausch nötig.

Haben Sie und Stefan Kirpal schon Pläne für die Zukunft des Festivals?

Natürlich, künftig soll es jährlich stattfinden und wieder verschiedene Spielstätten nutzen. Auch die Musikschulen der Umgebung sollen ins Programm einbezogen werden. Und wir werden versuchen, parallel zu den Konzerten Workshops und Meisterklassen anzubieten.

Die Termine

Freitag, 12. Juli, 10 Uhr: Kinderkonzert "Das rätselhafte alte Haus", Sonja Eschke und ihre Rabaukencombo

Freitag, 12. Juli, 19 Uhr: Bigband-Night, Vorprogamm Big Band des Gymnasiums Kempfenhausen

Freitag, 12. Juli, 20.30 Uhr: Bigband-Night, Matthias Bublaths Eight Cylinder Bigband

Samstag, 13. Juli, 20 Uhr: Kammerkonzert, Diogenes Quartett und Laura Ruiz Ferreres, Klarinette

Sonntag, 14. Juli, 19 Uhr: Fusion-Sonderkonzert, Martin O., Max Grosch und Diogenes Quartett.

Alle Konzerte finden in der Tenne des Hofgut Bernrieds statt.