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Starnberger Brauhaus:Der Traum vom eigenen Bier

Florian Schuh und Karl Heinz Krawczyk

Florian Schuh (links) und Karl Heinz Krawczyk.

(Foto: privat)

Florian Schuh und Karl Heinz Krawczyk bauen in Höhenrain eine Brauerei.

Nach mehr als einem Jahrhundert und pünktlich zum 500. Geburtstag des Reinheitsgebots wird Starnberg wieder eine eigene Brauerei bekommen - zumindest dem Namen nach. Die zwei Unternehmer Florian Schuh und Karl Heinz Krawczyk wollen in Höhenrain eine Braustätte mit modernster Technik errichten und ihr Bier dann unter dem Namen "Starnberger Brauhaus" auf den Markt bringen. Der symbolische erste Spatenstich für das Projekt ist am kommenden Montag.

Auf die Idee, eine eigene Brauerei zu gründen, kamen die beiden Starnberger in einer kalten Winternacht. Beide sind am Starnberger See aufgewachsen und sind seit vielen Jahren über ihre Leidenschaft, das Skifahren, befreundet. Beide haben ein Winterquartier in Königsleiten. Vor etwa zwei Jahren saßen sie dort abends beieinander und kamen aus einer Laune heraus auf den Gedanken, selbst Bier zu produzieren: "Wie das halt manchmal so ist in kalten Winternächten", sagt Schuh. Der Geschäftsmann, der unter anderem als Finanzdienstleister sein Geld verdient, hat vor kurzem seinen 50. Geburtstag gefeiert und so ganz will er nicht bestreiten, dass er und sein 44 Jahre alter Geschäftspartner Krawczyk ("World of Wine") in einem Alter befänden, in dem man "neue Herausforderungen ganz unbedingt braucht". So wurde aus der winternächtliche Laune ein reelles Projekt. Im Höhenrainer Gewerbegebiet fanden sie ein geeignetes Grundstück. Über die zum Bau einer Brauerei nötige Änderung des Bebauungsplans wurden sie sich mit der Gemeinde schnell einig: "Da hat Berg tolle Arbeit geleistet", sagen sie.

Berger Brauer

Florian Schuh und Karl Heinz Krawczyk sind allerdings nicht die Einzigen, die ehrgeizige Pläne mit dem Brauen von Bier verfolgen. Auch die Berger Gruppierung Q.U.H (Quer. Unabhängig. Heimatverbunden) unter Vorsitz von Andreas Ammer braut monatlich kleinere Mengen Craft-Bier unter dem Namen "Brauerei Schloss Berg", sucht aber noch nach einer geeigneten neuen Braustätte, um die Brauerei Schloss Berg zu reanimieren. Wie die Initiative in ihrem Internetblog schreibt, sei diese Brauerei von Jakob Weinzierl übernommen und 1904 eröffnet worden. Acht Jahre später allerdings wurde sie den Aussagen dort zufolge an die Schlossbrauerei Tutzing verkauft mit dem Ziel, die Konkurrenz damit auszuschalten. Ganz glücklich ging diese Geschichte dem Vernehmen nach nicht aus: So soll die Münchner Hackerbrauerei die Tutzinger Brauerei gekauft haben mit der Folge, dass es die einst expansive Brauerei in Tutzing am Westufer des Starnberger Sees ebenfalls nicht mehr gibt. Dafür aber noch immer die kleine Berger Brauerei.

Ammer fürchtet die Konkurrenz durch das "Starnberger Brauhaus" nicht. Im Gegenteil. Mit einem Augenzwinkern sagt er: "Ich freue mich. Die Beiden verfolgen ja andere Ziele als wir. Aber es ist schön wenn die Gemeinde Berg nun gleich zwei Brauereien hat und so zur echten Biermetropole am Starnberger See wird." abec

Am Montag soll mit den ersten Arbeiten auf dem rund 5000 Quadratmeter großen Grundstück begonnen werden. Als erstes soll dort auf einer Fläche von etwa 400 Quadratmetern eine Halle errichtet werden, in der die Brauanlagen untergebracht werden. Auch der Bau einer zweiten Halle wäre nach Aussagen der beiden Bauherren möglich: "Wenn alles so läuft, wie wir uns das vorstellen, könnten wir so unsere Produktionskapazitäten theoretisch also noch ausweiten." Vorerst sollen dort erst 2000 Liter Bier pro Sud gebraut werden. Täglich wären damit 6000 Liter möglich, doch hier wird wohl die Nachfrage die Produktion bestimmen. Diese könnte hoch werden: Schon jetzt gibt es auf der Facebook-Seite des "Starnberger Brauhauses" nur positive Resonanz auf die Pläne der beiden Brauherren.

Doch ein wenig gedulden müssen sich die Liebhaber regionaler Biere schon noch ein bisschen: Die Brauerei soll, wenn alles klappt, im Winter fertiggestellt sein, im Januar soll dann der erste Sud angesetzt werden. Weil Krawczyk und Schuh auf Qualität setzen wollen, geben sie ihrem Bier etwas mehr Zeit zum Ruhen als viele große Brauereien. Weitere sechs Wochen wird es also dauern, bis das erste Bier des Starnberger Brauhauses getrunken werden kann.

Geplant ist derzeit die Herstellung von drei ganz klassisch-traditionellen Sorten: ein Starnberger Helles, ein Starnberger Spezial - dahinter verbirgt sich ein unfiltriertes Kellerbier- und eine Starnberger "Edelweisse". Dazu kommen noch die Hausbrände, die sie ebenfalls selbst erzeugen wollen. Später wollen sie auch noch ein paar Spezialbiere anbieten. Doch zunächst müssen sie sich auf dem Markt etablieren, denn sie haben sich vorgenommen, irgendwann auch deutschlandweit ihr Bier anzubieten: "Weil Starnberg überall bekannt ist, das ist einfach eine Marke für sich", sagt auch Krawczyk, der neben seinem Weinhandel auch zwei Weingüter führt: das Chateau les Bouzigues im Bordeaux und das Angulus im Rheingau. Die Leidenschaft dafür erwuchs in ihm bereits im Alter von 19 Jahren, als seine Eltern in der Toskana das Weingut Vadiavolo erwarben. Nach so vielen Jahren Erfahrung mit Wein traut er sich es nun zu, auch in die Welt des Bieres vorzudringen.

Allerdings werden sich er und Schuh für die Kunst des Brauens einen echten Profi ins Haus holen. Wer das ist, wollen die beiden noch nicht verraten: "Es steht aber bereits fest." Dieser Braumeister soll von einer namhaften Brauerei kommen. Die Aufgabe, nun ein neues Starnberger Bier zu kreieren, dürfte jedoch so reizvoll sein, seinen bisherigen Job aufzugeben. Immerhin wurden die letzten Biere mit der Ortsbezeichnung "Starnberg" im Namen vor mehr als 100 Jahren gebraut.