Turnen Aufschwung nach dem Abgang

In Zweitligist Exquisa Oberbayern und Drittliga-Neuling USC München drängen zwei Teams in die Lücke, die der FC Bayern hinterlassen hat

Von Stefan Galler, München/Unterhaching

Als der FC Bayern im Januar bekannt gab, seine Turnabteilung zu schließen, kam das einem herben Schlag für das Kunstturnen im Raum München gleich: Der erfolgreichste Verein der Region zog sich aus der Deutschen Turnliga (DTL) zurück, eine ganze Reihe von Spitzenathleten stand plötzlich ohne Klub da. Mittlerweile hat die neue Saison begonnen. Und in dieser wollen zwei andere Mannschaften von sich reden machen. Wenn schon nicht im Oberhaus, so doch zumindest in der zweiten und dritten Liga.

Zum zweiten Mal in seiner noch jungen Geschichte geht die Riege von Exquisa Oberbayern in der zweiten Bundesliga Süd an den Start. Dieser 2008 gebildete Zusammenschluss der Vereine TSV Unterpfaffenhofen-Germering (Lizenzhalter bei der DTL), TSV Unterhaching und TSV Weilheim schaffte in der Vorsaison ungeschlagen den Aufstieg und startete nun mit dem Auswärtswettkampf beim Meisterschaftsfavoriten TSV Monheim in die Saison 2014/15. Dass dort die Trauben hoch hängen würden, war den Verantwortlichen klar. Und so setzte es zum Auftakt eine 23:48-Niederlage - für Oskar Paulicks, Abteilungsleiter beim TSV Unterhaching, indes kein Beinbruch: "Das schaut zwar deutlich aus, aber unsere Jungs haben einen hervorragenden Wettkampf geturnt." Monheim gab sich keine Blöße, erturnte 317 Gesamtpunkte, während die Oberbayern immerhin auf 301 Zähler kamen. "Und das ist das zweitbeste Ergebnis der Liga", betonte Paulicks.

Exquisa Oberbayern konnte nicht nur seine komplette Aufstiegsriege - darunter das Unterhachinger Top-Talent Felix Remuta - beisammen halten, sondern verstärkte sich auch noch mit einem prominenten Zugang: Jakob Glück vom FC Bayern stieß zum Zweitliganeuling. "Jakob hat bis auf seine Übung am Pauschenpferd sehr stabil geturnt", sagte Paulicks. "Er ist unser einziger Zugang, weil wir weiterhin unserer Philosophie treu bleiben wollen und jungen regionalen Turnern eine Plattform geben."

Auch in der Landeshauptstadt hat sich in den vergangenen Monaten im Leistungsturnen eine Menge getan: Nach dem Aus des FC Bayern formierte der Universitäts-Sportclub München (USC) in einer Kooperation mit dem Zentralen Hochschulsport der Technischen Universität eine Mannschaft, die nun in der dritten Bundesliga mitmischen wird und dort einen der durch Auflösungen anderer Mannschaften frei gewordenen Startplätze einnimmt. "Eine derartige Mannschaftskonstellation und ein solches Vorhaben ist in der Historie der DTL ein erstmalig gesehenes Ereignis", sagt Teammanager und Mannschaftsführer Thomas Ottnad, der nicht nur die Organisation und das Training verantwortet, sondern auch noch selbst an die Geräte geht, zu Saisonbeginn wegen einer Schulteroperation jedoch noch passen musste. Erstmals seit mehr als 20 Jahren startet damit wieder ein Team unter dem Namen USC München in der Deutschen Turnliga.

Der Auftakt zur neuen Saison führte die Riege um Mannschaftskapitän Florian Bau nach Nördlingen, wo sie gegen den Zweitligaabsteiger und Meisterschaftsaspiranten KTV Ries antrat. Kaum überraschend standen die Hochschulsportler dort auf ziemlich verlorenem Posten. Am Ende hieß es 81:4 für den Favoriten, dennoch hielt sich der Katzenjammer bei Teamsprecher Andreas Graf in Grenzen: "Das war zu erwarten. Wir wissen, dass wir noch einiges zu tun haben."

Die neue USC-Mannschaft, die aus mehr oder weniger erfahrenen bayerischen und baden-württembergischen Turnern besteht, musste auch auf den Österreicher Michael Shamiyeh verzichten, einige andere, darunter Graf, leiden noch unter den Spätfolgen von Verletzungen. Andreas Graf ist dennoch optimistisch: "Wir werden weiter trainieren und uns in der Liga akklimatisieren."